Friedliebende Partner

Ein Präventionsprogramm gegen Gewalt bei Kindern


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Das Projekt „Friedliebende Partner“ ist ein Präventionsprogramm für Schüler in Grundschulen, das Schüler, Schulen und Gemeinschaften dazu befähigen soll, eine gewaltfreie Atmosphäre zu schaffen, in der Frieden als ein aktiver Prozess begriffen wird. Durch speziell ausgebildete Lehrer lernen die Schüler in Workshops, Konflikte gemeinsam zu lösen, verbale und physische Misshandlung zu verhindern und die Bedeutung der Integration von verschiedenartigen sozialen Gruppen (unterschiedliche Nationalitäten, Glaubensrichtungen, kulturelle, sozial-wirtschaftliche Gruppen) zu erkennen.
Die Wunden aus dem letzten Krieg in Bosnien-Herzegowina sind noch immer nicht verheilt (10% der Kinder leiden an einem chronischen PTSD = Posttraumatic Stress Disorder). Immer häufiger wird über Gewalt in der Familie berichtet (5-6% der Kinder erzählen von schweren Gewalttaten in der Familie), und die Medien sind voll von gewaltsamen Szenen. Kinder verhalten sich gewalttätig und misshandeln Gleichaltrige, weil sie die Erwachsenen nachahmen und über keine angemessenen Strategien zur inneren und äußeren Gewaltbewältigung verfügen. Polizei und Gerichte registrieren, dass Kinder in ihrem Umfeld psychologische Gewalt, aggressives Verhalten und sexuellen Missbrauch erfahren. Angst vor Gewalt hat einen zerstörerischen Einfluss auf die Psyche der Kinder und verhindert ihre Entwicklung zu leistungsfähigen Erwachsenen. Da das Problem der Gewalt und ihre Prävention in Grundschulen in Bosnien-Herzegowina bisher nie systematisch behandelt worden sind, hat Oase an einigen Schulen Untersuchungen durchgeführt. Schüler und Lehrer waren von der Notwendigkeit überzeugt, ein Projekt zu erarbeiten, wie es in ähnlicher Form bereits an Hunderten von Schulen auf der ganzen Welt erfolgreich angewandt wurde.
An dem Projekt sollen ca. 240 Kinder in acht Klassen von Grundschulen teilnehmen, in denen Gewalttätigkeit festgestellt wurde: Schulen, wo die Mehrheit Flüchtlingskinder oder Rückkehrerkinder sind, Schulen, die etwas außerhalb liegen, Schulen in Dörfern und Experimentalschulen. Das Projekt gilt Kindern, die unmittelbar betroffen sind. Das Ausbildungsprogramm ermöglicht es ihnen zu erkennen, dass sie Opfer von Gewalt sind und dass es um ihre Rechte geht. Dies ist eine Grundvoraussetzung, um misshandelten Kindern helfen zu können. (Kinder bitten selten um Hilfe, wenn ihnen Gewalt angetan wird, weil sie die Schuld auf sich nehmen und in der Stille leiden). Die Konzeption des Programms schließt eine Stigmatisierung der misshandelten Kinder aus.
Das Projekt erstreckt sich über 2 Jahre. Es besteht aus einem detaillierten Ausbildungsprogramm (Seminare, Workshops in Schulen, Vorträge) für Lehrer und Pädagogen unter der Leitung geschulter Fachleute. (Grundlage der Kurse ist Charlie’s Handbuch.) Am Ende steht eine gezielte Auswertung des Themas Gewalt und der Gewaltprävention.

Fotos: Klaus Chmiel, stellvertr. Vorsitzender der Aktion Kleiner Prinz, besucht eine Schule in Banja Luka in der das Projekt durchgeführt wird. / Die Lehrerin vermittelt Strategien zur Konfliktlösung.