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Noch ist das Wohngebiet am Hahnstückenweg in Bitterfeld an der Mulde/Sachsen offiziell Evakuierungsgebiet. Die Flut ist größtenteils abgelaufen, erst jetzt wird das Ausmaß der Katastrophe vollends sichtbar.
"Wir haben noch ca 10cm Wasser im Kellerbereich des Kinderheims", berichtet Bernd Rahns, der Leiter dieser Kinder- und Jugendeinrichtung des Landkreises Bitterfeld. "Zehn Zentimeter Wasser, das wäre nicht so schlimm, wenn es sich nur um Wasser handeln würde", fährt er fort. "Vor allem macht uns der Schlamm zu schaffen, der sich überall mit den Flutmassen verteilt hat." -Hier wurden sogenannte Altlasten des Chemiestandortes Bitterfeld aus Vorvereinigungszeiten aufgespült, so daß der Schmutz als potentiell "gesundheitsgefährlich" eingestuft wird. Der noch im Frühjahr neu errichtete Spielplatz neben dem Kinderheim ist daher gesperrt und muß wahrscheinlich entsandet und neu aufgefüllt werden.In Gummistiefeln waten die Mitarbeiter durch den Matsch und haben mit den Aufräumarbeiten begonnen. Der Keller des Kinderheims am Hahnstückenweg ist sozusagen die funktionelle Schaltzentrale des Hauses. Hier befinden sich die großen Wasch- und trocknungsmaschinen, Elektrik, Lager für Spielgeräte, Campingausstattung für die hauseigenen Ferienmaßnahmen, allerlei Wirtschaftsbedarf, Kleiderkammer für die Mutterkindbetreuung, Fahrradkeller und vieles mehr. Bern Rahns dramatisiert nicht, macht nicht den Eindruck, als wolle man die Renovierungschance infolge der Katastrophe nutzen.
"Heute beginnen wir mit dem Reinemachen, schließlich müssen unsere Kinder ja bald zurückkehren können". - "Unsere" Kinder, das sind derzeit 30 Bewohner von 0 bis zum 18. Lebensjahr, zusätzlich die sogenannten Straßenkinder, die täglich hier betreut und versorgt werden. Derzeit sind diese Kinder und Jugendlichen in einem leerstehenden Lehrlingswohnheim untergebracht. Insgesamt handelt es sich bei den Heimkindern zumeist um seelisch trauamtisierte Kinder aus sozialen "Krisenfamilien", die wegen der häuslichen Stress-Situation im Kinderheim beschützende Zuflucht fanden. Darüber hinaus sind einige Kinder schwerstbehindert und bedürfen der kontiuierlichen Betreuung. Ebensdo beherbergt das Kinderheim die sogenannte "Kinderschutzstelle" als Krisenanlaufpunkt mit begleitender familiärer Erziehung. Ledige Mütter, die gerade entbunden haben, erhalten ebenfalls hier eine Babyerstaustattung wie auch weitere Hilfen aus der hauseigenen Kleiderkammer für Kinder.
Also insgesamt ist das Kinderheim in Bitterfeld eine kleine Oase für "Kinder in Not". Bernd Rahns ist sehr glücklich über die Hilfestellung durch die "Aktion Kleiner Prinz e.V.", denn viele kleine und große Hilfen sind jetzt erforderlich. "Heute haben wir wieder Leitungswasser bekommen, nur der Strom fehlt noch. Telefonieren im Festnetz ist nur bedingt möglich. Ohne Handys wären wir aufgeschmissen." -Am meisten schmerzt ihn, daß die hauseigene Campingausstattung dahin ist, denn die Ferienmaßnahmen für die Kinder und Jugendlichen haben sie immer selbst organisiert. Eventuelle Gebäudeschäden sind noch nicht ermittelt, jedoch hofft Bernd Rahns nochmal mit einem "blauen Auge" davongekommen zu sein. "Das Wasser hat bis zur Hälfte der ersten Etage gestanden, Gott sei dank ist es jetzt fast abgelaufen. Für Mittwoch haben die Behörden nochmals "Flutwarnung" herausgegeben, denn der Wasserpegel in der "Götsche", dem Überflutungsgebiet im ehemaligen Braunkohletagebau nahe Bitterfeld liegt noch zwei Meter über Ortsmittelpunkt. Und der schützende Deichwall wird langsam unter dem Druck und der Durchnässung brüchig. "Aber ich glaube, daß es gut gehen wird. Warten wir's mal in Ruhe ab", sagt er beschwichtigend. Die letzte Überflutung durch Hochwasser war 1956, so erinnert sich ein alter Bitterfelder zurück.
Die Spendengelder der Aktion Kleiner Prinz e.V. werden nach jeweiliger Rechnungsvorlage eingesetzt. Besonders sollen heimische Unternehmen berücksichtigt werden, damit das Geld in der auch schon zuvor krisengeschüttelten Region Wirkung zeigt.
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