Afghanistan Nothilfe

Winterkleidung für afghanische Flüchtlingskinder



"We think that your 'crazy' idea is an excellent one",

schreibt Dr. Ramaroson, Senior Programme Officer der UNICEF Afghanistan per E-mail am 9. Oktober 2001 an Klaus Schäffer. Der Vereinsvorsitzende der Aktion Kleiner Prinz hatte bei dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen in Pakistan angefragt, ob es angesichts des nahenden Winters eine verrückte Idee sei, warme Winterkleidung für afghanische Flüchtlingskinder mit dem Flugzeug in die Krisenregion zu transportieren.

Der Wettlauf gegen die Zeit hat Anfang Oktober begonnen. Die Lage der Kinder in den Flüchtlingslagern in Afghanistan und Pakistan spitzt sich dramatisch zu. Für hunderttausende Kinder geht es jetzt um das nackte Überleben. Dringend notwendige Hilfen sind erschwert, weil Lieferungen wegen des US-Bombardements unterbrochen werden. Bei Minustemperaturen um 20° C droht den Flüchtlingen, insbesondere den Kindern, der Kältetod.
Nachdem UNICEF Afghanistan den dringenden Bedarf an warmer Kinder-Winterkleidung sowie Decken signalisiert hatte, sowie nach Abklärung der geplanten Hilfe mit der Deutschen Botschaft in Pakistan, beginnt in der ersten Oktoberwoche im Münsterland die sicher größte humanitäre Hilfsaktion für Kinder in einem Krisengebiet.

Das Hilfskonzept der "Aktion Kleiner Prinz"
Über die Medien bittet die Aktion Kleiner Prinz Vereine, Gemeinschaften, Privatinitiativen, Jugendzentren, Firmen, Schulen und Kindergärten, soziale Einrichtungen und karitative Organisationen, Sammlungen von Kinderwinterkleidung und Decken durchzuführen. Den potentiellen Spendern wird auch mitgeteilt, dass beabsichtigt sei, die Hilfsgüter wegen des nahenden Winters mit dem Flugzeug in das Krisengebiet zu transportieren.
Diejenigen, die über keine Kleiderspenden verfügen, werden um finanzielle Unterstützung gebeten, damit die Transportkosten gedeckt werden können.
Gebraucht werden vor allem Pullover, Hosen, Jacken, Mäntel, Wollmützen, Handschuhe, Winter-Babysachen, warme Strümpfe, Socken, Winterschuhe und Decken. Aus logistischen Gründen wird alles in Standard-Umzugskartons verpackt, die von der Aktion Kleiner Prinz zur Verfügung gestellt werden.. Eine einheitliche, stabile Verpackung ist Voraussetzung für eine raumsparende, effiziente Stapelung. Darüber hinaus müssen die Kartons in Pakistan erneut, möglicher auf Lasttiere, verladen werden.
Die Hilfsgütern werden als "Deutsche Humanitäre Hilfe" in den Landessprachen "Dari" und "Pashtu" gekennzeichnet. Der Inhalt der wird durch einen Buchstaben gekennzeichnet: "B" für Babys, "K" für Kinder, "S" für Schuhe, "D" für Decken.
Die Umzugskartons können nach Entleerung auseinandergefaltet und als Schutz gegen Kälte verwendet werden.

Die große Solidarität der Bevölkerung geht weit über das Münsterland hinaus. Firmen stellen kostenlos Lagerflächen und Transportkapazitäten zur Verfügung. Restaurants sorgen kostenlos für die Verpflegung der vielen Helfer an den Sammeltagen. Über 4.200 Kartons können in knapp drei Wochen mit gut erhaltener, sauberer Kinder-Winterkleidung sowie Decken gefüllt und in der "Emsarena" einer großen Warendorfer Veranstaltungshalle, für den Transport nach Pakistan vorbereitet werden.
Am 6. November 2001, dem 23. Tag der Winternothilfeaktion, startet morgens um 10 Uhr die erste von der Aktion Kleiner Prinz gecharterte Frachtmaschine des Typ Iljushin IL 76 vom Flughafen Münster-Osnabrück in Richtung der pakistanischen Stadt Peshawar. 1.500 Kartons mit dringend benötigter Überlebenshilfe für die afghanischen Flüchtlingskinder gehen so auf den direkten Weg in das Krisengebiet.

Der Erfolg der Sammlungsaktion geht weit über die Erwartungen hinaus. Angesichts hunderttausender vom nahenden Winter bedrohter Kinder und der Unsicherheit eines Landtransportes entschließt sich der Vorstand der Aktion Kleiner Prinz, die gecharterte Iljushin nach Entladung in Pakistan zurückkehren zu lassen, um sie dann erneut, beladen mit 1.500 Kartons Winterhilfen, auf den Weg in die Krisenregion zu schicken. In den späten Nachmittagsstunden des 9. November 2001 startet dann die russische Frachtmaschine unter iranischer Flagge zum zweiten Mal vom Flughafen Münster-Osnabrück nach Pakistan. Die restlichen Umzugskartons, die sich noch in der "Emsarena" befinden, werden noch am gleichen Tag auf zwei 20-t-Trucks verladen, die sich sofort auf den langen Landweg nach Quetta in Pakistan aufmachen.

Verteilung der Hilfsgüter vor Ort
Wie UNICEF Afghanistan in ihrem Rechenschaftsbericht mitteilt, sind sieben afghanische Hilfsorganisationen in das Verteilungskonzept vor Ort eingeschaltet, die in neun sogenannten Projektzonen die Verteilung der Winterhilfen durchführen. Die auf dem Weg nach Pakistan befindlichen Trucks werden in die Grenzstadt Quetta weitergeleitet, um von dort die afghanischen Flüchtlingskinder im iranischen Grenzgebiet zu erreichen. Innerhalb kürzester Zeit werden die mit den beiden Transportmaschinen nach Peshawar in Pakistan transportierten Winternothilfen an die afghanischen Flüchtlingskinder in der Grenzregion verteilt.

In dem Rechenschaftsbericht der UNICEF Afghanistan wird das Ausmaß dieser wirksamen Winternothilfeaktion deutlich: Insgesamt können

  • Kinderkleidung für 25000 Kinder
  • Babykleidung für 8025 Babies
  • Winterschuhe für 7000 Kinder und
  • Decken für 5000 Kinder
verteilt werden.

Die UNICEF nimmt üblicherweise keine gebrauchte Kleidung an. In dem Rechenschaftsbericht wird jedoch ausdrücklich die Qualität der von der Aktion Kleiner Prinz gesammelten Kleidung und das logistische Konzept hervorgehoben, welches die UNICEF in diesem Fall eine Ausnahme machen ließ.
Der Lufttransport war nach Aussage des Kinderhilfswerks der UN das Schlüsselelement der Aktion. Dadurch konnte die Kleidung zu einem Zeitpunkt verteilt werden, als sie dringend benötigt wurde.