2005
Der Jahreswechsel 2004/2005 wurde überschattet von dem apokalyptischen
Ausmaß der Tsunami Flutkatastrophe, die Südostasien Weihnachten
2004 mit unvorstellbarer Naturgewalt heimgesucht hatte. Noch nie zuvor
hatte die Weltöffentlichkeit so intensiv mit Spendengeldern helfend
an einer Katastrophensituation anteilgenommen. Während alle großen
Hilfswerke unmittelbar nach bekannt werden dieser Katastrophe zu Spenden
aufriefen, entschloss sich unsere Kinderhilfsorganisation zunächst
die weiteren Entwicklungen abzuwarten, um in deren Verlauf ein überschaubares
Hilfsprojekt vor Ort zu finden, in dem etwaige Spendenmittel konkret und
gezielt eingesetzt werden könnten. Aufgrund der fehlenden Repräsentanz
im Katastrophengebiet war es für uns wichtig, zunächst nach
verlässlichen Kontakten Ausschau zu halten, um der Verantwortung
gegenüber den Spendern auch in vollem Umfang gerecht zu werden. Schon
zu diesem Zeitpunkt ahnten wir die alsbald folgenden Schlagzeilen in den
Medien: „Wo sind all die Spenden geblieben?“ Die nachfolgenden
Wochen Anfang 2005 bestätigten unsere vorsichtige Zurückhaltung.
Wir haben in den vergangenen 12 Jahren einen Lernprozess vollzogen, der
uns zu dieser anfänglichen Zurückhaltung bewogen hat, und es
zeigte sich, wie wertvoll es zu unserem Schutz sein kann, aus Erfahrung
zu lernen.
Anfang Januar 2005 erreichte uns ein Hilferuf aus Lalgudi im Südosten
Indiens, wo viele Kinder aus Fischerdörfern infolge der Flutkatastrophe
zu Waisen wurden. Der katholische Pfarrer Victor, selbst Leiter der Hilfsorganisation
NEST (Navadeepam Educational Social Trust), konnte unseren Vorstand davon
glaubhaft überzeugen, dass der Bau eines Waisenhauses für die
betroffenen Kinder eine überaus gezielte und wirksame Hilfestellung
ist, die sich zeitnah bei entsprechender finanzieller Unterstützung
umsetzen ließe. Derart betroffene Kinder, gerade weil sie ihren
familiären Schutz verloren haben, können unter den sozialen
Umständen in Indien sehr leicht zu Opfern von Ausbeutung werden.
Ein behütetes Zuhause, sei es auch ein Waisenhaus, bietet Sicherheit
und Schutz. Ebenso sind Ernährung, Zuwendung, Erziehung und elementare
Stillung der kindlichen Bedürfnisse gesichert. Zudem könnten
die Kinder zur Schule gehen, auch in Indien der Schlüssel zu einem
selbstbestimmten Leben. Wir entschlossen uns, diesen Kindern zu helfen
und stellten 55 000 Euro zum Bau dieses Waisenhauses bereit. Nach nur
zehnmonatiger Bauzeit wurde das zweistöckige Haus „Good Shepherds
Home“ jetzt offiziell fertiggestellt und seiner Bestimmung übergeben.
65 Kinder aus den Küstenregionen südlich von Madras haben mit
unserer Hilfe ein neues Zuhause gefunden.
Dieter Grothues, Projektleiter unserer Kinderhilfsorganisation, ist derzeit
in Begleitung seiner Frau Margret in Lalgudi vor Ort, um an der Einweihung
des Hauses teilzunehmen und sich selbst von der gezielten und konkreten
Umsetzung der Spendengelder zu überzeugen. Ebenso finden Arbeitsgespräche
mit unserer Partnerorganisation NEST statt, um die weitere Entwicklung
dieses Projektes zu planen. Insgesamt hat unsere Aktion Kleiner Prinz
sich entschlossen, diesen Kindern eine gesicherte Lebensgrundlage bis
zum Erwachsenwerden zu garantieren.
In einer ersten telefonischen Berichterstattung vom 24.01.06 zeigte sich
Dieter Grothues begeistert, mit welcher Verlässlichkeit unsere indischen
Partner die anvertrauten Spendengelder umgesetzt haben. Das Waisenhaus
sei wunderbar, so Dieter Grothues, die Unterbringung und Betreuung der
Kinder ausgezeichnet.
Nach Rückkehr aus Indien wird Dieter Grothues an einem gesondert
terminierten Vortragsabend ausführlich über dieses erfolgreiche
Hilfsprojekt berichten.
Seit 2002 fördert unsere Kinderhilfsorganisation den Bau des Bethesda-Hospitals
in Goma/Kongo in Zentralafrika. Dr. Berndt Otte, Arzt für Allgemeinmedizin,
in Warendorf aufgewachsen, jetzt wohnhaft in Wipperfürth,
Mitglied der Aktion Kleiner Prinz, war langjährig als Entwicklungshelfer
im ehemaligen Zaire, heute Republik Kongo, tätig. In Kooperation
mit der Evangelischen Mission wurde das Konzept für den Neubau eines
Hospitals in Goma entwickelt, nachdem das bekannte Virunga-Hospital infolge
eines Vulkanausbruchs völlig zerstört worden war. Bis Ende 2005
wurden von uns
109 000 Euro für die Baumaßnahmen zur Verfügung gestellt.
Neben dem Operationstrakt sind mittlerweile das Bettenhaus wie auch ein
Verwaltungstrakt fertiggestellt. Weitere Anschlussbauten sind in Planung.
Dr.Otte besuchte im November 2005 dieses Projekt, um sich persönlich
vor Ort zu informieren und die Umsetzung der Spendengelder zu prüfen.
Dr.Otte wird dieses schöne Projekt ebenfalls in Kürze in einem
Vortrag eingehend vorstellen.
Seit 1995 fährt der ehrenamtliche Kindermitmachzirkus Pinocchio unter
der Leitung von Josef Steinbusch, Aachen, auf Tournee zu den Kindern aus
Bosnien. „Tränen, die du lachst, brauchst du nicht zu weinen“,
unter diesem Motto üben die Kinder mit Clown Juppino Zirkusstücke
ein, die dann dem neugierigen Publikum vorgeführt werden. Wie schon
in den Vorjahren fördern wir diese schöne Tournee mit 2500 Euro
jährlich.
Bis zum Beginn unseres neuen Vereinsjahres 2006 sind genau 99 Hilfstransporte
auf den Weg zu bedürftigen Kindern und deren Familien gegangen. Seit
einigen Jahren verbindet uns eine enge Zusammenarbeit mit der Caritas
Satu Mare, Rumänien, die die von uns gelieferten Hilfsgüter
an besonders bedürftige Familien verteilt, oder zu angemessenen Niedrigpreisen
an entsprechende Familien weitergibt. Aus dem erzielten Erlös werden
weitere Transporte finanziert. Insbesondere Bekleidungsüberschüsse,
die wir von einem Textilunternehmen zur Verfügung gestellt bekommen,
werden so in fast regelmäßigen Transporten zur Caritas nach
Satu Mare gebracht. Transportaktivitäten zur Versorgung von Kindern
in Kriegs- oder Katastrophengebieten fanden in 2005 nicht statt.
Im September 2005 reisten unser stellv. Vorsitzender Klaus Chmiel wie
Projektleiter Dieter Grothues nach Bosnien, um den Fördervertrag
für ein Ambulanzzentrum am Kinderkrankenhaus Banja Luka zu unterzeichnen.
Zunächst stellen wir 25 000 Euro für dieses Projekt zur Verfügung.
In dem fertiggestellten Ambulanzzentrum sollen zukünftig schwerkranke
Kinder tagsüber medizinisch versorgt werden, die dann über Nacht
wieder zu ihren Familien zurückkehren können.
Auch besuchten Klaus Chmiel und Dieter Grothues das von uns seit 10Jahren
vollständig geförderte Projekt „Oase“, dessen Mitarbeiter
sich intensiv um Kinder und Jugendliche aus Krisenfamilien kümmern.
Die „Oase“ ist ein psychosoziales Hilfsprojekt mit fachlich
qualifizierten Mitarbeitern, die insbesondere Ansprechpartner in Notlagen
sind. Wir fördern dieses wertvolle Projekt mit 25 000 Euro jährlich.
Am 8.Dezember 2005 fand zum 10. Mal unsere seit 1995 alljährlich
durchgeführte Weihnachtspäckchenaktion „Ich schenk Dir
meinen Stern“ statt. Kinder aus unserer Region beschenken Kinder
aus sozial bedürftigen Ländern zur Weihnacht. Wie in den Vorjahren
ging auch 2005 die weihnachtliche Reise nach Rumänien. Vor Ort wurden
die gesammelten 11 000 Päckchen von unseren langjährigen Kooperationspartnern
„Sinergii“ wie auch der „Caritas Satu Mare“ an
Heim- und Straßenkinder verteilt.
Seit Bestehen dieser Weihnachtsaktion sind über 76 000 Päckchen
auf die winterliche Reise zu bedürftigen Kindern gegangen.
Besonderer Dank gilt Frau Beate Färber, die über viele Jahre
die organisatorische Leitung wahrgenommen hat.
Unser stellv. Vorsitzender Klaus Chmiel hat in 2005 viele Schulen und
Kindergärten besucht, um unsere Aktivitäten vorzustellen und
gerade auch Kinder und Jugendliche für die Not ihrer Altersgenossen
in Kriegs- und Katastrophenländern zu sensibilisieren. Viele kleine
und größere Förderungen von Schulen und Kindergärten
haben wir mit großem Dank entgegengenommen. Im Spätherbst 2005
konnten wir unsere neu herausgegebene Infobroschüre der Öffentlichkeit
vorstellen. Frau Dr. Petra Höltzel hat hervorragende redaktionelle
Arbeit geleistet und das gesamte Spektrum unserer Hilfsprojekte und Aktivitäten
in dieser im neuen Outfit erschienenen Broschüre vorgestellt. Gesponsert
wurde diese Broschüre vom Druckhaus Krimphoff in Warendorf. Wir sagen
Danke!
Viele kleine Hilfen verwirklichten wir in Stille, haben oft mit Rat und
Vermittlungen einen Weg für andere Hilfesuchende gebahnt, selbst
wenn wir aus Satzungsgründen nicht unmittelbar finanziell helfen
konnten. Vor Ort bei uns fördern wir die Kinder des Frauenhauses
Warendorf, zuletzt durch Sanierung des Spielplatzes wie bei der Ausstattung
eines Spielraumes. Uns liegt diese Hilfe für Kinder und Familien
in sozialen Krisensituationen besonders am Herzen, weil eben hier Kinder
in Not sind, dies mitten unter uns.
Mit dem Jahr 2006 gehen wir in das 13.Jahr unserer ehrenamtlichen Hilfe
für Kinder in Not.
Möge uns diese Zahl 13 ganz besonders viel Glück und Aufmerksamkeit
bescheren, Freude und Mut, auch dort zu helfen, wo Hoffnung und Zuversicht
nicht mehr zuhause sind. Möge uns diese Zahl 13 beflügeln, viele
Menschen für unsere Hilfen zu begeistern, damit auch morgen noch
das möglich ist, was wir heute noch bewegen können.
Das DZI Spendensiegel 2005, welches wir nun in dreijähriger Folge
zuerkannt bekamen, macht nach außen die Qualität unserer Arbeit
objektiv sichtbar.
Wir dürfen darauf sehr stolz sein.
Warendorf, den 31.01.2006
Klaus Schäffer
Vorsitzender
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