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Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen, sagte der Fuchs,
Aber du darfst sie nicht vergessen.
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast...

Antoine de Saint-Exupéry, 'Der kleine Prinz'

Jahresbericht 2011

Zunächst zum Gesamtergebnis: Mit 738 000 € liegen wir hinter dem Ergebnis des Vorjahres von 1,3 Mio €, geschuldet den großen Katastrophen von 2010 in Haiti und Pakistan. Die Hungersnot in Ostafrika 2011 trat in Bezug auf die Spendenbereitschaft nicht so in den Focus der Öffentlichkeit, da das Land lange keine Hilfe von außen zuließ. So gesehen ist das diesjährige Ergebnis, das 3.höchste in der Vereinsgeschichte, sehr zufriedenstellend.
Unsere Hilfe in Ostafrika war nur indirekt möglich. Zunächst über die Organisation humedica, später in Äthiopien in Zusammenarbeit mit der Don Bosco Mission / Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos, leistete die Aktion Kleiner Prinz Überlebenshilfe für Tausende Menschen in Ostafrika. Mit der finanziellen Unterstützung der Aktion Kleiner Prinz von
100 000 € konnten Notrationen verteilt werden, die mehr als 1500 Menschen bis zur nächs- ten Regenzeit das Überleben sicherten. Leider ist unsere Hilfe noch immer Akutversorgung der unvorstellbaren Not.
Endlich, nach intensivsten Erwägungen, gibt es über Haiti Erfreuliches zu berichten:
Die Hilfe dort ist sehr schwierig, obwohl wir ein von Thomas Diehl betreutes Waisenhaus wieder aufbauen wollen, also auf schon bestehende Strukturen zurückgreifen können. Unse- re zwei Wohneinheiten und das Auto dienten der Akuthilfe und werden zurzeit benutzt und bewohnt. Um dauerhaft etwas zu schaffen, musste zunächst eine Stiftung nach haitiani- schem Recht gegründet werden. Durch diese wurde der Kauf eines Grundstücks ermöglicht. Diese 2 Schritte referieren sich hier so leicht, haben aber fast 2 Jahre Arbeit erfordert! Auf der Reise, die unser Projektleiter Dieter Grothues im letzten Monat zusammen mit Thomas Diehl nach Haiti unternahm, konnten nun die Bauvorhaben konkretisiert werden. Es sollen ein Mädchenhaus, ein Jungenhaus, jeweils mit Toiletten, ein Haus für die Heimleiterfamilie, ein Schulraum und ein Gemeinschaftstrakt für bis zu 60 Kinder entstehen. Geplant ist, dass eine Truppe baut, die bereits für die Diakonie gearbeitet hat und die vor Ort unter deren Auf- sicht steht.
Im Mai 2011 erhielten wir den endgültigen Bericht über die Inbetriebnahme des Kinderkran- kenhaustraktes in Goma / Kongo. Dieses Krankenhaus wurde mit finanzieller Unterstützung der Aktion Kleiner Prinz errichtet. Der medizinische Direktor des Bethesda-Hospitals, dem das neue Kinderkrankenhaus angegliedert ist, schickte der Aktion Kleiner Prinz ein bewe- gendes Dankschreiben. Darin fasste er die Schrecken zusammen, die die Menschen im Kongo in den letzten Jahren durchleben mussten. Er beendete seinen Brief mit den Sätzen "Dann haben wir gesehen, wie Sie uns Ihre Hand entgegenstreckten, um uns zu helfen. Wir sind dankbar für Ihr solidarisches Handeln, das auf uns noch viel humaner wirkt, wenn wir uns vor Augen führen, dass die Hilfe von einem anderen Kontinent kommt. Sie haben uns geholfen, ein sehr gutes Krankenhaus aus Steinen und Zement in der Stadt zu bauen und es außerdem gut auszustatten und mit Medikamenten zu versorgen. Wir fühlen uns besser und haben wieder Hoffnung, über die Zukunft nachzudenken."
In Kimbulu wird seit August 2011 in Zusammenarbeit mit Dr. Berndt Otte eine Grund- und weiterführende Schule gebaut. Das Gebäude der Grundschule ist fast fertig, die weiterfüh- rende Schule folgt.
In Uganda wurden 2011 durch unsere Projektpartnerin Frau Pöhland bzw. die von ihr ins Leben gerufene Organisation SCSU mehrere Gesundheitsprojekte für Kinder, schwangere Frauen und Familien durchgeführt. Schwerpunkte der Arbeit von SCSU sind Erkennung und Bekämpfung der Malaria, HIV/Aids Prophylaxe und -Tests, Schwangerschaftsvor- und nach- sorge sowie Familienplanung. Obwohl die Medikamente kostenfrei verteilt werden, erreichen sie nur wenige Menschen, denn die Mittel für die Untersuchung und die Fahrt dorthin können nur wenige aufbringen. Zudem fehlt die Aufklärung. Hier schließt Frau Pöhland eine Lücke, die lebensbedrohlich ist. Inzwischen hat sie in diesem Jahr weitere Pläne einer Krankenstati- on, in der die Menschen immer Hilfe finden. Da sie sich als höchst zuverlässiger Partner ge- zeigt hat, werden wir sie weitgehend unterstützen.
Die Unterstützung der Arbeit von Frau Weiler in Afghanistan und Pakistan wurde fortgesetzt und die finanzielle Hilfe, insbesondere für Medikamente für die Shaba-
Klinik, erhöht. Sie geht Gefahren ein, die so groß sind, dass wir Namen und Wege nie be- nennen und wir froh sind, wenn sie heimgekehrt ist. Am 21. Juni berichtete Frau Weiler im Zentrum der Aktion Kleiner Prinz anschaulich über ihre Arbeit vor Ort. Die Veranstaltung gut besucht.
Ebenfalls das Waisenhaus in Indien wurde 2011 unverändert unterstützt. Die ersten nach dem Tsunami aufgenommenen Waisen haben ihre Ausbildung beendet oder geheiratet. Neue Kinder werden betreut.
In Namibia plant Frau Lore Bohm, die mit Hilfe der Aktion Kleiner Prinz seit Jahren Kinder- gärten in Swakopmund betreut, eine neue Einrichtung für behinderte Kinder. Das Grundstück ist bestimmt, die Bauplanungen laufen.
In Bosnien wurde die Unterstützung für die Oase ausgeweitet. Bei einem Besuch dort von Klaus Chmiel, Dieter Grothues, Dr. Timm Schubert und mir wurde die Not überdeutlich und die finanzielle Unterstützung für bedürftige und besonders behinderte Kinder und Jugendli- che verstärkt, um der Perspektivlosigkeit entgegenzuwirken, unter der Bosnien noch immer leidet. Zwei Kindergärten, die insbesondere für Kinder auf dem Lande sehr wichtig sind, müssten ohne die Kinder, für die der Kleine Prinz die Kosten übernimmt, geschlossen wer- den.
In Rumänien wurde das Reha-Zentrum für behinderte Kinder weiterhin mit erheblichem fi- nanziellen Aufwand unterstützt. Beim Besuch der Caritasleiterin Tünde Löchli, dem leitenden Arzt und Mitglied des Sozialamtes Dr. Koşa und seiner Mitarbeiterin verabredeten wir außer- dem weitere Zuschüsse zu direkten Maßnahmen für bedürftige Familien. Überschwänglicher Dank galt den Transporten mit den so einwandfreien, liebevoll gepackten Kleidungen, Kin- derzubehör wie Kinderwagen, Hochstühlchen, Rollstühlen, Turngeräten und zu Weihnachten z. B. Backzutaten, Lebensmitteln und Wachmaschinen. 20 Hilfstransporte gingen 2011 in das rumänische Satu Mare. Somit wurden seit Vereinsgründung bis Ende 2011 insgesamt 180 Hilfstransporte auf den Weg gebracht.
In Deutschland wurde die Familiennachsorge durch den Bunten Kreis unterstützt. Frau Dreckmann, die Betreuerin für den Kreis Warendorf, berichtete im Herbst über die Familien, denen sie helfen konnte. Wir waren froh, Hilfe in diesen Notsituationen anbieten zu können. Wenn von jetzt auf gleich durch Erkrankung oder die Geburt eines lebensgefährdeten Kindes alles anders ist, berät Frau Dreckmann bei der Planung und Koordination aller notwendigen Therapien und Behandlungen und stellt die Verbindung zu örtlichen Hilfsangeboten für die Zukunft her.
Im April 2011 wurde das gesamte Equipment des Aachener Kinderzirkus Pinocchio von der Aktion Kleiner Prinz übernommen. Jahrelang, seit 1995, war der Kinderzirkus Pinocchio all- jährlich in den Sommerferien durch die Krisenregion des ehemaligen Jugoslawien getourt und hatte Kinder zum Lachen gebracht, die sonst nichts zu lachen hatten. Das Motto war „Tränen, die du lachst, brauchst du nicht zu weinen“. Nun ist Jupp Steinbusch, alias Clown Juppino, erkrankt. Ein Team von Zirkusbegeisterten bemüht sich um neue Verwendungs- möglichkeiten für das bunte Zirkuszelt und die selbst geschneiderten Kostüme. Inzwischen hat ein Probeaufbau des großen Zeltes gezeigt: Es ist wunderbar in Ordnung und wird in Füchtorf im Juni in einer Schule zum 1. Mal gebraucht.
Nun zu unsern jährlichen Veranstaltungen:
Vorstand und Aktive konnten es am Abend des 18. Juni kaum fassen: Trotz teils hef- tigen Regens hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am dritten "Hoffnungslauf für Kinder in Not" fast 15.000 km zurückgelegt. Da die Sparkasse Münsterland Ost jeden zurückgelegten Kilometer auch diesmal mit 1 Euro sponserte, erbrachte der Hoffnungslauf 2011 den schönen Betrag von 15.000 Euro.
Am 9. August fand für alle Helferinnen und Helfer eine „Helferfete“ in der Bundeswehrsport- schule statt. Oberst Michael Rondé, der damalige Kommandeur, hatte die Aktiven der Akti- on Kleiner Prinz dazu eingeladen. Rund 30 Personen nahmen das freundliche Angebot an und erhielten neben „Speis und Trank“ viele interessante Informationen über die Bundes- wehrsportschule.
Beinahe Volksfestcharakter hatte der Trödelmarkt an den beiden Haupttrödeltagen Sonntag und Montag 2./3. Oktober. Das Gelände an der Beckumer Str. 36 war voller Menschen, die in der Halle und an den Ständen draußen nach Schnäppchen suchten. Auch die Möglichkeit zum Nachverkauf wurde gut genutzt. Da noch an den Verkaufstagen neue Sachspenden angenommen wurden, gab es weiterhin ein reichhaltiges Angebot an Glas, Porzellan, Deko und vielen anderen schönen Dingen, vor allem auch ein reichhaltiges Bücherangebot. Insge- samt 25.400 Euro wurden eingenommen!
Mehr als zufrieden waren die Verantwortlichen mit dem Ergebnis der großen Weihnachts- päckchenaktion 2011 auf dem Warendorfer Wilhelmsplatz. 13.800 liebevoll verpackte Päckchen, mehr als je zuvor, konnten von 40 fleißigen Helferinnen und Helfern in die bereit stehenden LKW geladen und nach Rumänien auf den Weg gebracht werden. Die Weih- nachtspäckchenaktion wurde 2011 erstmalig am letzten Mittwoch im November durchge- führt, statt wie bisher am ersten Mittwoch im Dezember. Der vorgeschobene Termin erleich- tert unseren rumänischen Projektpartnern die Verteilung der Päckchen vor Ort.
Außerdem gab die Aktion Kleiner Prinz finanzielle Hilfen an die Caritas Warendorf, so dass besonders bedürftige Kinder zu Weihnachten ein Päckchen mit speziell auf ihre Be- dürfnisse abgestimmten Geschenken erhalten konnten.
Im Warendorfer Weihnachtswäldchen konnten wir mit Hilfe vieler Helferinnen und Helfer Stockbrot backen.
Gebannt verfolgten in zwei Aufführungen jeweils mehr als 400 Kinder das Weihnachtsmär- chen im Theater am Wall. Christoph Bäumer vom Theater Don Kid’schote, Münster, bezog sie gekonnt ins Geschehen auf der Bühne ein. Die Zwischenrufe der Kinder zeigten, wie scharf sie beobachteten und wie sie mitfieberten. Mit lautstarker Unterstützung der Kinder gelang es dem dummen Käpt'n Flintbacke schließlich, den wahren Schatz zu entdecken.
Zum Abschluss liegt mir noch etwas am Herzen. Die Verwaltungskosten betragen 3,15%, eine wahrlich geringe Zahl. Dies ist nur möglich, da wir alle ehrenamtlich arbeiten, ja sogar alle Reise- Flugkosten, ob nach Bosnien oder Haiti, selbst tragen. Wenn Sie einem Fremden von der Organisation erzählen, mag kaum jemand glauben, dass alles ohne hauptamtliche Kraft zu stemmen ist. Das geht aber auch nur, da über 150 Helfer zur Verfügung stehen.
Natürlich können wir alle nur verwalten und verteilen, was uns gespendet wurde. So sind Sie als Mitglieder von höchster Bedeutung. Sind doch die Mitgliedsbeiträge die Grundlage für unsere langfristigen Planungen. Im nächsten Jahr feiern wir unsern 20. Geburtstag. Ob wir unsere Mitgliederzahl von nunmehr 534 auf 550 erhöhen können?
Allen Aktiven, Mitgliedern, Spendern und Unterstützern gilt ein dickes Dankeschön.

Maria Mussaeus, Vorsitzende

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