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Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen, sagte der Fuchs,
Aber du darfst sie nicht vergessen.
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast...

Antoine de Saint-Exupéry, 'Der kleine Prinz'

Jahresbericht 2007

Das Jahr 2007 begann in guter Erinnerung an die so erfolgreich verlaufene Weihnachtspäckchenaktion 2006, die zum 10. Mal unter großer Beteiligung vieler Kindergärten, Kindertagesstätten wie Schulen aus dem gesamten Münsterland stattgefunden hatte. Über 10 000 liebevoll verpackte Geschenkpäckchen gingen auf die winterliche Reise zu Kindern in Rumänien. Das neue Jahr 2007 war noch jung, schon erhielten wir genaue Rechenschaft über die Verteilung dieser Weihnachtsüberraschungen. Unsere Kooperationspartner in Satu Mare wie auch Medias kamen unserem selbst gesetzten Anspruch auf nachvollziehbare Transparenz bei der Spendenverwendung in vollem Umfang nach, so wie wir es vereinbart hatten.
Im März 2007 wurde uns zum 6.Mal in Folge das DZI-Spendensiegel zuerkannt als Gütesiegel unserer satzungsgemäßen Arbeit. Nicht nur, dass Werbung und Information über unser Wirken als wahr, eindeutig und sachlich attestiert wurden, auch unsere Mittelbeschaffung und -Verwendung sowie unsere Vermögenslage haben wir nachvollziehbar dokumentiert. Unser Anteil an den Werbe- und Verwaltungsausgaben ist nach DZI- Maßstab niedrig. Wie auch schon in den Vorjahren schickten wir auch in 2007 mehrere Hilfstransporte auf den Weg zur kooperierenden Caritas in Satu Mare. Insbesondere durch das verlässliche Engagement der Firma Takko Moden aus Telgte war es uns auch in diesem Jahr möglich mehrere hundert Kubik Bekleidungshilfen der Caritas in Satu Mare zu überbringen, die insbesondere an Kinder, Jugendliche und Familien in besonderen sozialen Notlagen verteilt wurden. Als Beispiel sei aufgeführt der 111.Hilfstransport vom 08.06.2007 mit 90 Kubikmeter neuwertiger Kinder- und Jugendbekleidung. Nochmals möchte ich an dieser Stelle verdeutlichen, dass unsere Sachgütertransporte keine Schwächung des landeseigenen Marktes in Rumänien nach sich ziehen, da unsere Zielgruppe aus sozialer Not gar nicht in der Lage ist, derartige Gebrauchsgüter aus eigener wirtschaftlichen Existenz zu erwerben. Wir haben die ausdrückliche Versicherung der Caritas, dass unsere materiellen Hilfen erwünscht sind, weil sie vor Ort grundlegende humanitäre Bedürfnisse stillen, zu denen die Bekleidung des Mittellosen zweifelsohne zählt.
Die Entwicklung des Krankenhausprojektes in Goma/Kongo macht große Fortschritte. Nach Fertigstellung des Operationstraktes, des Bettenhauses wie der Mutter-Kind-Abteilung bewilligten wir im Juni 2007 weitere Mittel zur Anschaffung von Betten für das Krankenhaus in Goma, welches den Namen “Bethesda Hospital” trägt. Unser Mitglied Dr. Bernt Otte, praktizierender Allgemeinarzt aus dem bergischen Wipperfürth, machte sich wie schon in den Vorjahren zu einer mehrwöchigen Reise auf den Weg in den Kongo nach Goma. Im Rahmen der laufenden Projektüberwachung und -Kontrolle versicherte sich Dr.Otte vor Ort des gezielten, wirtschaftlichen und zweckmäßigen Einsatzes der von uns zur Verfügung gestellten Spendengelder. Sein Bericht nach erfolgter Rückkehr war äußerst überzeugend. Siehe auch Jahres-DVD 2007.
“Seit der Gründung unserer Aktion Kleiner Prinz im Jahre 1993 sind wir an und mit unseren Aufgaben stetig gewachsen. Unsere Mitglieder, Spender und die Öffentlichkeit konnten dies hautnah verfolgen und beobachten. Auch die Aufgabe, unseren Projekten mit Sachspenden zu helfen, ist ständig größer geworden. Allein im letzten Jahr haben wir 10 Sattelzüge mit rd. 1000Kubikmeter qualitätsgeprüften Hilfsgütern auf den Weg zu den Kindern in Not geschickt. Darin hat uns die Firma “Miele Meimann” aus Warendorf seit Jahren dadurch unterstützt, dass sie kostenlos den erforderlichen Zwischenlagerraum zur Verfügung stellte, dafür danken wir sehr herzlich.
Nun ergab sich die einmalige Möglichkeit, eine für unsere Zwecke optimale Halle zu erwerben. Mit ausreichender Lagerfläche und einem kleinen Büro, genau das, was wir seit Jahren suchten. Diese Chance konnten und wollten wir uns nicht entgehen lassen. Endlich ALLES an einer Stelle, effektiveres Arbeiten, ganz neue Programm- und Veranstaltungsideen könnten hier in ehrenamtlicher Arbeit realisiert werden. Ein großer Schritt in eine ganz neue Dimension unserer Vereinsarbeit für Familien in Not.
Spendengelder wurden für die Finanzierung nicht gebraucht, die Halle finanziert sich in einem absehbaren Zeitraum durch die ersparte Miete selbst und bleibt somit Vermögen unseres Vereins”. (Helmut Westekemper, Schatzmeister, Mitgliederinformation zum Hallenerwerb Sommer 2007).
Am 1.Oktober 2007 war es dann soweit: Der Umzug von Büro und Lager der Aktion Kleiner Prinz in die neue Halle, Beckumer Str.36, ist abgeschlossen. Helmut Westekemper und Klaus Chmiel, die Initiatoren des Hallenprojektes, die ebenso den gesamten Umzug organisiert und durchgeführt haben, melden die Betriebsbereitschaft des neuen Zuhauses. Helmut Westekemper wie auch Klaus Chmiel haben in unermüdlichem Engagement unter höchstem zeitlichen Einsatz in kaum vorstellbarer kürzester Zeit zwischen Initiative und Realisierung den Grundstein für das Haus der Zukunft der Aktion Kleiner Prinz gelegt. Als Vorsitzender unserer Kinderhilfsorganisation möchte ich beiden Dank und Anerkennung für ihr Engagement aussprechen.
Ausverkauft war das Dachtheater im “Theater am Wall” am 20.Oktober 2007 bei der Aufführung des Piratenstückes “Die Schatzkiste” durch die Theatergruppe “Don Kid'schote” aus Münster unter Leitung unseres Mitgliedes Christoph Bäumer. Im Namen unseres Vorstandes möchte ich Christoph Bäumer von Herzen danken für die vielen unvergesslichen Nachmittage, die er Kindern und Familien mit seinen lustigen Theateraufführungen seit Jahren beschert. Auch dieses Mal verzichtete er auf seine Gage, so dass der Erlös benachteiligten Kindern aus unseren Projekten zu Gute kommt. An gleicher Stelle schon jetzt zu nennen die Aufführung des Weihnachtsmärchens “William Goldtaler 2” , die am 13.Dezember für Kindergartengruppen und Grundschulklassen zweimalig vor ausverkauftem Haus stattfand.
Im Herbst 2007 machten sich Projektleiter Dieter Grothues wie auch unser 2.Vorsitzender Klaus Chmiel auf den Weg nach Bosnien um unsere Kooperationspartner von der sozial engagierten “Oase” zu besuchen. Seit über zehn Jahren fördert unsere Aktion Kleiner Prinz die vielfältigen Engagements dieses rührigen Vereins, der sich mittelbar für Kinder, Jugendliche und deren Familien in sozialen Notlagen einsetzt. Ebenso hat die Oase ein Projekt zur Gewaltprävention, das Charly-Projekt, ursprünglich aus den USA, an bosnischen Schulen integriert, in dem die Kinder lernen ihre eigenen Bedürfnisse zu vertreten, ohne die ihrer Schulkameraden zu missachten. Sie lernen, ihre Gefühle, ob positiv oder negativ, auszudrücken, ohne dabei die Kontrolle zu verlieren oder andere zu verletzen. Immer wieder werden die verschiedenen Möglichkeiten trainiert, ein friedliches Miteinander zu erreichen und aufkommende Konflikte gewaltlos zu lösen. Gern fördern wir dieses hilfreiche Projekt finanziell. Es ist einzigartig in Bosnien.
Dieter Grothues und Klaus Chmiel überzeugten sich auch vor Ort von der getreuen Umsetzung unserer Unterstützung für das Kinderkrankenhaus in Novi Grad. Für 5000 Euro konnten jetzt notwendige medizinische Geräte angeschafft werden. Mit vielen intensiven Begegnungen und Eindrücken kehrten unsere beiden Vorstandsmitglieder heim. Ihr Reisebericht bekräftige unseren Willen, gerade auch im Engagement für die Kinder Bosniens weiter aktiv zu sein.
Am Samstag, den 18.November 2007 wurde die neue Halle der Öffentlichkeit vorgestellt. Unter großartiger Hilfestellung durch das Team der “Rappelkiste” aus Oelde, einer engagierten Bürgerinitiative, konnte der erste Trödelmarkt in unserer Halle stattfinden. Alte und neue Schätze aus ihrem Haushalt hatten die Bürger von Warendorf und Umgebung gespendet, damit der Verkaufserlös die Arbeit der Aktion Kleiner Prinz unterstützt. Schon vor Einlass drängten sich unzählige Menschen vor unserer Halle, um eine möglichst günstige Ausgangsposition für die Schnäppchenjagd zu haben. Hunderte drängten sich durch die engen Gassen zwischen den Verkaufsständen. Es war ein grandioser Tag mit einem ebenso großartigen Erlös, der Anlass und Zuversicht gab, auch in 2008 erneut zu diesem bunten Trödelmarkt aufzurufen. Unser Dank gilt allen freiwilligen Heferinnen und Helfern, allen Spendern, die zu diesem Erfolg beigetragen haben.
Am 5. Dezember 2007 endete quasi das überaus aktive Vereinsjahr 2007 mit der 11.Weihnachtspäckchenaktion unter dem bewährten Leitgedanken “Ich schenk'Dir meinen Stern”. Wie schon 2006 war das Sammelergebnis mehr als grandios: Über 11500 liebevoll zusammengestellte und bunt verpackte Weihnachtspäckchen aus über 170 Einrichtungen(Schulen, Kindergärten, Kindertagesstätten) gingen wiederum auf den Weg nach Rumänien. Insgesamt werden wir nach diesem wiederholten Superergebnis im Jahr 2008 ganz sicher das 100 000tausendste Päckchen zur Weihnacht verladen. Als hätten wir es strategisch geplant, dieses Päckchenjubiläum “100 000” hält Gleichschritt mit unserem 15jährigen Bestehen seit unserer Gründung am 18.Oktober 1993. So wird das Jahr 2008 ein großes Jahr im Wirken unserer Aktion Kleiner Prinz e.V.
Zum Jahresausklang 2007 habe ich zunächst unseren Mitgliedern, dann folgend der Öffentlichkeit in einem persönlichen Schreiben mitgeteilt, dass ich mit Jahresfrist 2007 meinen Vorsitz nach fast 15 Jahren in die Hände unseres Souveräns, unserer Mitgliederversammlung, zurückgebe. Ich hatte bereits im September 2007 unseren Vorstand über meinen Entschluss informiert. Ich möchte jetzt an dieser Stelle auf die Wiederholung meiner persönlichen Beweggründe verzichten, da ich dies ausführlich in meinem Rundschreiben getan habe.
In diesen Tagen ordnete ich mein Sammelsurium aus Aufbewahrtem, abgelegt in Kisten und Kästen auf dem Dachboden. Dabei stieß ich auf einen Zeitungsausschnitt aus dem Sommer 1993. Ein Foto zeigte ein blutüberströmtes kleines Mädchen in der Leichenhalle der Koseva Klinik in Sarajewo. Der zarte Körper dieses kleinen Mädchen war durchsiebt von Maschinengewehrkugeln. Dieses kleine Mädchen war beim Spielen auf einer Straße in Sarajewo erschossen worden. Sarajewo lag in diesen Tagen unter Dauerbeschuss serbischer Artillerie, die auf den Höhenzügen rund um die Stadt stationiert war. Dieses kleine Mädchen lebt auch heute noch in meinen Gedanken fort, weil es mein Herz lebendig hält für die Kinder in Not, deren Anwaltschaft wir mit der Vereinsgründung unserer Aktion Kleiner Prinz übernommen haben, dies, so gut und verlässlich, wie wir es vermögen. Unsere Aktion Kleiner Prinz lebt und existiert von der Weiterreichung solcher Herzenseindrücke, die bleiben und unauslöschlich sind wie die Spuren der Astronauten im ewigen Sand des Mondes. Die Existenz unserer Kinderhilfsorganisation darf nicht allein auf der Kontinuität von Einzelpersonen begründet sein. Das mag zwar für die Vergangenheit, für den Augenblick gut sein, für die Zukunftssicherung gut? -- ist dies aber nicht.
Für mich als den bislang ewig wirkenden Vorsitzenden ist das Erkennen der eigenen, persönlichen Grenzen ein unausweichliches Muss, um all den zusätzlichen Lebenserfordernissen genügend Rechnung zu tragen. So hilft mir unsere Demokratie, dieses Muss mit gewisser Leichtigkeit anzunehmen, denn Rücktritt bedeutet auch Entlastung, nicht von Schwerem, sondern von mit der Leichtigkeit des Herzens gern Gelebtem. Dies mit Höchstmass an Identität und mit dem Herzen gut gesehen. Ich bin Demokrat. Und Demokratie erfordet den Wechsel, damit neue Visionen Platz haben sich zu entfalten und nicht Personen zu Denkmalstatisten werden. Und grad dies ist mir zuwider. Zu gehen, wenn ich noch im Aufstieg bin, nicht wenn mein Echo mich auf meinem Abstieg einholt, so wollte ich es immer.
“Du bist zeitlebens verantwortlich für das, was du dir vertraut gemacht hast….”, so der Fuchs zum kleinen Prinzen. Wie könnte ich gehen, ohne dieses zu verinnerlichen?

Ich danke allen für das gewährte Vertrauen seit dem 18. Oktober 1993.

Klaus Schäffer
Vorsitzender

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