Menu




Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen, sagte der Fuchs,
Aber du darfst sie nicht vergessen.
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast...

Antoine de Saint-Exupéry, 'Der kleine Prinz'

Jahresbericht 2005

Der Jahreswechsel 2004/2005 wurde überschattet von dem apokalyptischen Ausmaß der Tsunami Flutkatastrophe, die Südostasien Weihnachten 2004 mit unvorstellbarer Naturgewalt heimgesucht hatte. Noch nie zuvor hatte die Weltöffentlichkeit so intensiv mit Spendengeldern helfend an einer Katastrophensituation anteilgenommen. Während alle großen Hilfswerke unmittelbar nach bekannt werden dieser Katastrophe zu Spenden aufriefen, entschloss sich unsere Kinderhilfsorganisation zunächst die weiteren Entwicklungen abzuwarten, um in deren Verlauf ein überschaubares Hilfsprojekt vor Ort zu finden, in dem etwaige Spendenmittel konkret und gezielt eingesetzt werden könnten. Aufgrund der fehlenden Repräsentanz im Katastrophengebiet war es für uns wichtig, zunächst nach verlässlichen Kontakten Ausschau zu halten, um der Verantwortung gegenüber den Spendern auch in vollem Umfang gerecht zu werden. Schon zu diesem Zeitpunkt ahnten wir die alsbald folgenden Schlagzeilen in den Medien: „Wo sind all die Spenden geblieben?“ Die nachfolgenden Wochen Anfang 2005 bestätigten unsere vorsichtige Zurückhaltung. Wir haben in den vergangenen 12 Jahren einen Lernprozess vollzogen, der uns zu dieser anfänglichen Zurückhaltung bewogen hat, und es zeigte sich, wie wertvoll es zu unserem Schutz sein kann, aus Erfahrung zu lernen.
Anfang Januar 2005 erreichte uns ein Hilferuf aus Lalgudi im Südosten Indiens, wo viele Kinder aus Fischerdörfern infolge der Flutkatastrophe zu Waisen wurden. Der katholische Pfarrer Victor, selbst Leiter der Hilfsorganisation NEST (Navadeepam Educational Social Trust), konnte unseren Vorstand davon glaubhaft überzeugen, dass der Bau eines Waisenhauses für die betroffenen Kinder eine überaus gezielte und wirksame Hilfestellung ist, die sich zeitnah bei entsprechender finanzieller Unterstützung umsetzen ließe. Derart betroffene Kinder, gerade weil sie ihren familiären Schutz verloren haben, können unter den sozialen Umständen in Indien sehr leicht zu Opfern von Ausbeutung werden. Ein behütetes Zuhause, sei es auch ein Waisenhaus, bietet Sicherheit und Schutz. Ebenso sind Ernährung, Zuwendung, Erziehung und elementare Stillung der kindlichen Bedürfnisse gesichert. Zudem könnten die Kinder zur Schule gehen, auch in Indien der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. Wir entschlossen uns, diesen Kindern zu helfen und stellten 55 000 Euro zum Bau dieses Waisenhauses bereit. Nach nur zehnmonatiger Bauzeit wurde das zweistöckige Haus „Good Shepherds Home“ jetzt offiziell fertiggestellt und seiner Bestimmung übergeben. 65 Kinder aus den Küstenregionen südlich von Madras haben mit unserer Hilfe ein neues Zuhause gefunden.
Dieter Grothues, Projektleiter unserer Kinderhilfsorganisation, ist derzeit in Begleitung seiner Frau Margret in Lalgudi vor Ort, um an der Einweihung des Hauses teilzunehmen und sich selbst von der gezielten und konkreten Umsetzung der Spendengelder zu überzeugen. Ebenso finden Arbeitsgespräche mit unserer Partnerorganisation NEST statt, um die weitere Entwicklung dieses Projektes zu planen. Insgesamt hat unsere Aktion Kleiner Prinz sich entschlossen, diesen Kindern eine gesicherte Lebensgrundlage bis zum Erwachsenwerden zu garantieren.
In einer ersten telefonischen Berichterstattung vom 24.01.06 zeigte sich Dieter Grothues begeistert, mit welcher Verlässlichkeit unsere indischen Partner die anvertrauten Spendengelder umgesetzt haben. Das Waisenhaus sei wunderbar, so Dieter Grothues, die Unterbringung und Betreuung der Kinder ausgezeichnet.
Nach Rückkehr aus Indien wird Dieter Grothues an einem gesondert terminierten Vortragsabend ausführlich über dieses erfolgreiche Hilfsprojekt berichten.
Seit 2002 fördert unsere Kinderhilfsorganisation den Bau des Bethesda-Hospitals in Goma/Kongo in Zentralafrika. Dr. Berndt Otte, Arzt für Allgemeinmedizin, in Warendorf aufgewachsen, jetzt wohnhaft in Wipperfürth,
Mitglied der Aktion Kleiner Prinz, war langjährig als Entwicklungshelfer im ehemaligen Zaire, heute Republik Kongo, tätig. In Kooperation mit der Evangelischen Mission wurde das Konzept für den Neubau eines Hospitals in Goma entwickelt, nachdem das bekannte Virunga-Hospital infolge eines Vulkanausbruchs völlig zerstört worden war. Bis Ende 2005 wurden von uns
109 000 Euro für die Baumaßnahmen zur Verfügung gestellt. Neben dem Operationstrakt sind mittlerweile das Bettenhaus wie auch ein Verwaltungstrakt fertiggestellt. Weitere Anschlussbauten sind in Planung. Dr.Otte besuchte im November 2005 dieses Projekt, um sich persönlich vor Ort zu informieren und die Umsetzung der Spendengelder zu prüfen. Dr.Otte wird dieses schöne Projekt ebenfalls in Kürze in einem Vortrag eingehend vorstellen.
Seit 1995 fährt der ehrenamtliche Kindermitmachzirkus Pinocchio unter der Leitung von Josef Steinbusch, Aachen, auf Tournee zu den Kindern aus Bosnien. „Tränen, die du lachst, brauchst du nicht zu weinen“, unter diesem Motto üben die Kinder mit Clown Juppino Zirkusstücke ein, die dann dem neugierigen Publikum vorgeführt werden. Wie schon in den Vorjahren fördern wir diese schöne Tournee mit 2500 Euro jährlich.
Bis zum Beginn unseres neuen Vereinsjahres 2006 sind genau 99 Hilfstransporte auf den Weg zu bedürftigen Kindern und deren Familien gegangen. Seit einigen Jahren verbindet uns eine enge Zusammenarbeit mit der Caritas Satu Mare, Rumänien, die die von uns gelieferten Hilfsgüter an besonders bedürftige Familien verteilt, oder zu angemessenen Niedrigpreisen an entsprechende Familien weitergibt. Aus dem erzielten Erlös werden weitere Transporte finanziert. Insbesondere Bekleidungsüberschüsse, die wir von einem Textilunternehmen zur Verfügung gestellt bekommen, werden so in fast regelmäßigen Transporten zur Caritas nach Satu Mare gebracht. Transportaktivitäten zur Versorgung von Kindern in Kriegs- oder Katastrophengebieten fanden in 2005 nicht statt.
Im September 2005 reisten unser stellv. Vorsitzender Klaus Chmiel wie Projektleiter Dieter Grothues nach Bosnien, um den Fördervertrag für ein Ambulanzzentrum am Kinderkrankenhaus Banja Luka zu unterzeichnen.
Zunächst stellen wir 25 000 Euro für dieses Projekt zur Verfügung.
In dem fertiggestellten Ambulanzzentrum sollen zukünftig schwerkranke Kinder tagsüber medizinisch versorgt werden, die dann über Nacht wieder zu ihren Familien zurückkehren können.
Auch besuchten Klaus Chmiel und Dieter Grothues das von uns seit 10Jahren vollständig geförderte Projekt „Oase“, dessen Mitarbeiter sich intensiv um Kinder und Jugendliche aus Krisenfamilien kümmern. Die „Oase“ ist ein psychosoziales Hilfsprojekt mit fachlich qualifizierten Mitarbeitern, die insbesondere Ansprechpartner in Notlagen sind. Wir fördern dieses wertvolle Projekt mit 25 000 Euro jährlich.
Am 8.Dezember 2005 fand zum 10. Mal unsere seit 1995 alljährlich durchgeführte Weihnachtspäckchenaktion „Ich schenk Dir meinen Stern“ statt. Kinder aus unserer Region beschenken Kinder aus sozial bedürftigen Ländern zur Weihnacht. Wie in den Vorjahren ging auch 2005 die weihnachtliche Reise nach Rumänien. Vor Ort wurden die gesammelten 11 000 Päckchen von unseren langjährigen Kooperationspartnern „Sinergii“ wie auch der „Caritas Satu Mare“ an Heim- und Straßenkinder verteilt.
Seit Bestehen dieser Weihnachtsaktion sind über 76 000 Päckchen auf die winterliche Reise zu bedürftigen Kindern gegangen.
Besonderer Dank gilt Frau Beate Färber, die über viele Jahre die organisatorische Leitung wahrgenommen hat.
Unser stellv. Vorsitzender Klaus Chmiel hat in 2005 viele Schulen und Kindergärten besucht, um unsere Aktivitäten vorzustellen und gerade auch Kinder und Jugendliche für die Not ihrer Altersgenossen in Kriegs- und Katastrophenländern zu sensibilisieren. Viele kleine und größere Förderungen von Schulen und Kindergärten haben wir mit großem Dank entgegengenommen. Im Spätherbst 2005 konnten wir unsere neu herausgegebene Infobroschüre der Öffentlichkeit vorstellen. Frau Dr. Petra Höltzel hat hervorragende redaktionelle Arbeit geleistet und das gesamte Spektrum unserer Hilfsprojekte und Aktivitäten in dieser im neuen Outfit erschienenen Broschüre vorgestellt. Gesponsert wurde diese Broschüre vom Druckhaus Krimphoff in Warendorf. Wir sagen Danke!
Viele kleine Hilfen verwirklichten wir in Stille, haben oft mit Rat und Vermittlungen einen Weg für andere Hilfesuchende gebahnt, selbst wenn wir aus Satzungsgründen nicht unmittelbar finanziell helfen konnten. Vor Ort bei uns fördern wir die Kinder des Frauenhauses Warendorf, zuletzt durch Sanierung des Spielplatzes wie bei der Ausstattung eines Spielraumes. Uns liegt diese Hilfe für Kinder und Familien in sozialen Krisensituationen besonders am Herzen, weil eben hier Kinder in Not sind, dies mitten unter uns.
Mit dem Jahr 2006 gehen wir in das 13.Jahr unserer ehrenamtlichen Hilfe für Kinder in Not.
Möge uns diese Zahl 13 ganz besonders viel Glück und Aufmerksamkeit bescheren, Freude und Mut, auch dort zu helfen, wo Hoffnung und Zuversicht nicht mehr zuhause sind. Möge uns diese Zahl 13 beflügeln, viele Menschen für unsere Hilfen zu begeistern, damit auch morgen noch das möglich ist, was wir heute noch bewegen können.
Das DZI Spendensiegel 2005, welches wir nun in dreijähriger Folge zuerkannt bekamen, macht nach außen die Qualität unserer Arbeit objektiv sichtbar.
Wir dürfen darauf sehr stolz sein.

Warendorf, den 31.01.2006

Klaus Schäffer
Vorsitzender

Nach oben