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Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen, sagte der Fuchs,
Aber du darfst sie nicht vergessen.
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast...

Antoine de Saint-Exupéry, 'Der kleine Prinz'

Jahresbericht 2003

Das Jahr 2003 sollte für unsere Kinderhilfsorganisation ein besonderes Jahr sein, gingen wir doch mit großen Schritten auf unser 10 jähriges Gründungsjubiläum am 18.Oktober 2003 zu. So diskutierten wir in unserem Vorstand, in welcher Form, welchem Rahmen wir dieses Jubiläum begehen wollten. Im Verlauf dieses Entscheidungsprozesses kamen wir überein, diesen Meilenstein in unserer Vereinsgeschichte als festliches Miteinander und gegenseitiges Kennen lernen in den freundlicherweise kostenfrei zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten der Gesellschaft „Harmonie“ in Warendorf zu begehen. Es war ein gemütlich-festlicher Abend, der diejenigen miteinander in Kontakt brachte, die mangels eines „typischen“ Vereinslebens sonst nicht miteinander ins Gespräch gekommen wären. Somit war dieser Abend ein vereinsinterner Schritt nach vorn und sicher wertvoll, wiederholt zu werden. Insgesamt haben wir uns aus Imagegründen, organisatorischen wie Kostengründen gegen die „Große Jubiläumsbühne“ entschieden, was zumindest von unseren über Jahre verbundenen Förderern sicher als angemessen beurteilt wurde. Auf der anderen Seite eröffnet natürlich ein solches Jubiläum viele Möglichkeiten, auch über dem lokalen Tellerrand Aufmerksamkeit und damit finanzielle Förderung zu ermöglichen. Fast kann man sich im Nachhinein nicht des Eindrucks erwehren, dass so manche Institution, so manches Medium eigentlich von uns erwartet hatte, eine solche öffentlichkeitswirksame Plattform zu bieten, um entsprechend Applaus oder öffentliche Zuneigung zum Ausdruck zu bringen. Denn niemals waren Reaktionen auf unser 10 jähriges Jubiläum stiller und kaum wahrnehmbar als zu diesem eigentlich doch großen Meilenstein. Auch, im Hinblick auf die Leistungen im Rahmen unserer Kindernothilfe, die sich zwar schwerlich angemessen, aber dennoch in der Gewichtung schon in Euro-Summen ausdrücken lassen. Diese Reaktionslosigkeit, man möge uns nicht ein „fishing for compliments“ unterstellen, wurde insbesondere dadurch exemplarisch deutlich, dass nicht einmal unsere Heim- und Gründungsstadt Warendorf, vertreten durch ihren Bürgermeister, von diesem Jubiläum Kenntnis nahm.
Im Mai 2003 gastierte Rolf Zuckowski mit Band in der Ennigerloher Olympiahalle, quasi als Jubiläumsgeschenk für unsere Aktion zum 10.Geburtstag. Ertragsmäßig war dieses Konzert eine einzige Katastrophe, konnten nicht einmal 30 Prozent der über 800 Karten verkauft werden. Selbst dies nicht als Benefiz und unter massivem Werbesponsoring der Tageszeitung „Die Glocke“, die sich redaktionell wie durch die Größe der Anzeigen respektable Mühe gab, diesem Konzert zum Erfolg zu verhelfen. Alle anderen Medien waren narkotisiert im Grönemeyer-Fieber, gab doch dieser zwei Tage später sein Open-Air-Konzert in Ahlen. Sicher, ein Rolf Zuckowski ohne Band, vor tausend Kindern, dies wäre eine andere, anziehungskräftigere Ebene gewesen. Jedoch sollte dieses Konzert Tournee-Start sein, Promotion für die erste Band-CD. Ein neues Musikerlebnis für Familien, was sicherlich entsprechende Resonanz verdient hätte. Um nicht vor kleinem Publikum zu spielen, haben wir dann kreativ reagiert und alle Kindergärten im Kreis, deren Teams, als Dankeschön für entgegengebrachtes Engagement, als unsere Gäste zu diesem Konzert eingeladen. Die Resonanz war überwältigend, das Konzert musikalisch wie menschlich ein wunderbares Erlebnis. So blieb uns nichts anderes übrig als Rolf Zuckowski und seiner Band von Herzen zu danken und auch allen, die sich nach Ennigerloh auf den Weg gemacht hatten.
Da uns bewusst war, dass unser 10jähriges Jubiläum eine durchaus gute Möglichkeit bot, neue Förderer für unsere Aufgaben und Projekte zu gewinnen, entschlossen wir uns, erstmalig eine Informationsaktion in Form einer Beilage bei der Kirchenzeitung „Kirche und Leben“ in ausgewählten Regionen des Bistums Münster durchzuführen. Da unser bisheriger Info-Prospekt wegen überholter Aktualität einer neuen Konzeption bedurfte und die Restbestände aufgebraucht waren, gestalteten wir diesen neu, insbesondere durch Hinzufügung einer speziellen Projektinformation. Zusätzlich beschlossen wir, alle bisherigen Spender über unsere Arbeit zu informieren, so dass unter finanzieller Portohilfe der Sparkasse Münsterland Ost schließlich ca. 8000 Briefe auf den Weg gingen. Wie sich später dann herausstellen sollte, war die Resonanz auf diese Informationsaktion durchaus beeindruckend. Allein im Dezember 2003 gingen mehr als 100 000 Euro Spenden bei uns ein. Sicherlich auch in bezug auf diese Briefaktion. Jedenfalls führte dieser Spendenerfolg zur gewünschten Befähigung, gerade die laufenden Projekte auch weiterhin wirksam unterstützen zu können. Unsere anfängliche Planung, eine umfassendere Informationsschrift zu 10 Jahren AktionKleiner Prinz herauszugeben, haben wir aus Kostengründen zurückgestellt, da wir der Meinung sind, dass eine zwar repräsentative, aber kostenintensive Lösung derzeit angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Lage nur sehr schwer akzeptabel sei, und wir uns nicht erklärenden Diskussionen aussetzen wollten.
An dieser Stelle möchte ich gerade dem Ehepaar Gabi und Peter Wild unseren großen Dank aussprechen, hatten sie sich bereiterklärt, die redaktionelle Entwicklung dieses Projektes zu übernehmen. Vielleicht können wir unter einer neuen Ausgangssituation erneut auf diese Möglichkeit zur Darstellung zurückkommen. An Stelle dieser Konzeption wurde dann unser jetziges, kleines, aber allseits belobtes Info-Heft zu 10 Jahren „Aktion Kleiner Prinz“ realisiert, welches durch ein 100prozentiges Sponsoring der Druckerei Krimphoff ermöglicht wurde. Wir danken für diese großzügige Geste der Unterstützung.
Im Jahr 2003 wurde uns zum 2.Mal das DZI-Spendensiegel zuerkannt. Maßgebliche Unterstützung in der Vorbereitung der Prüfungsphase, die vom DZI in Berlin unter strengen Maßstäben vorgenommen wird, erhielten wir durch den Ennigerloher Steuerberater und Buchprüfer Herrn Rudolf Senger, der den offiziellen Prüfbericht vorlegte. Dies, ohne Kostenrechnung. Für den Spendensiegelantrag 2004 erfolgte bereits die Prüfung durch Herrn Senger. Auch ihm gilt an dieser Stelle unser verbundener Dank für diese wichtige Arbeitsleistung.
Mittlerweile haben über 8000 Internetbesucher unsere Homepage aufgesucht, um Informationen zu unserer Kinderhilfsorganisation zu erfragen. Dank der intensiven Gestaltung und kontinuierlichen Aktualisierung durch Daniel Grothues, war es uns möglich, diese exzellente Visitenkarte nach außen zu präsentieren. Gerade hier wurde uns deutlich, wie speziell hier ein Profi-Wissen erforderlich ist, um erfolgreich eine wirksame Außenwerbung zu entwickeln. Vielfach wurde diese Homepage von Kennern der Materie hoch gelobt. Wir sind überaus dankbar, dass uns diese Möglichkeit durch Daniel Grothues eröffnet wurde.
Im Frühjahr 2003 zeichneten sich die ersten Warnhinweise auf einen unmittelbar bevorstehen Krieg im Irak ab. Schon lange vor Kriegsbeginn hatten wir Kontakt geknüpft mit den „Architekten für Menschen in Not“ in Bagdad, die dort seit längerem im Rahmen eines EU-Projektes im Bereich des Schulbaus wie auch dem Bau von Wasseraufbereitungsanlagen tätig waren. Zunehmend auch als Nothelfer in Anspruch genommen, fehlte den Mitarbeitern um Alexander Christof die entsprechenden finanziellen Mittel, um all den Erfordernissen nachkommen zu können. So stellen wir insgesamt 50 000 Euro Hilfe zur Verfügung, um Kindern in den Waisenheimen, Straßenkindern wie auch Familien eine Notversorgung zu ermöglichen. Zusammen mit APN und der französischen Hilfsorganisation „Enfant du Monde“ riefen wir das „Hilfsnetz Bagdad“ ins Leben, um weitere Finanzhilfen für die substantielle Nothilfe vor Ort zu ermöglichen. Auch „Cap Anamur“ mit Ruppert Neudeck unterstützen dieses Hilfsnetz großzügig, ja forderte sogar in einer WDR-Talkshow zur finanziellen Unterstützung auf. Unsere Aktion Kleiner Prinz war die erste deutsche Hilfsorganisation, die die wertvolle Arbeit von APN in Bagdad förderte. Wobei auch erwähnt werden muss, dass Alexander Christof und APN auch während des Krieges durchgehend in Bagdad aktiv waren, während sogar die UN alle Mitarbeiter in dieser Phase abgerufen hatte.
Wie man unserem Projektplan 2004 entnehmen kann, ist eine weitere Fortsetzung der Zusammenarbeit mit APN in Bagdad geplant, z.B. durch Förderung eines Schulaufbau-Projektes.
Im Juni 2003 gastierte der von uns seit Jahren geförderte Kindermitmachzirkus „Pinocchio“ im St. Katharina Kindergarten in Warendorf. Unter Anleitung durch Joseph Steinbusch, alias Clown Juppino, übten die Kinder mit den Erzieherinnen ein buntes Zirkusprogramm ein, welches dann vor den Großeltern und Eltern der Kinder aufgeführt wurde. Dieses unvergleichlich schöne Geburtstagsgeschenk hat uns alle begeistert!
Über das Jahr 2003 wurden unsere praktischen Hilfen in Form von Hilfsgüter-transporten fortgesetzt. Ziel dieser Transporte war die Caritas Satu Mare, die über ein funktionierendes Abhol- wie auch Verteilungssystem verfügt. Insbesondere durch die großzügige Überlassung von Bekleidungsüberschüssen der Takko-Märkte konnten diese Hilfstransporte mit wertvollen Gütern bestückt werden. Zum einen wurden diese neuwertigen Waren an hilfsbedürftige Familien und Kinder durch die Caritas Satu Mare verteilt, zum anderen wurde ein Teil zu einem Anerkennungs-betrag an sozial Bedürftige verkauft, um auf diese Weise die Kosten für die Transporte zu decken. Ein funktionierendes System der Hilfe zur Selbsthilfe. Zusätzlich schickten wir Spielzeugspenden, gestiftete Kindergebrauchtkleidung wie sonstigen Kinderbedarf mit auf den Weg.
Insgesamt gingen in diesem Vereinsjahr 9 Hilfstransporte auf den Weg zur Caritas Mare. 78 Hilfstransporte insgesamt seit Vereinsgründung im Oktober 1993. Das sind ca. 1560 Tonnen praktische Hilfen für Kinder und Familien in Not. Im Dezember 2003 fand zum 8.Mal unsere alljährliche Weihnachtspäckchen-Aktion unter dem Motto „Ich schenk' Dir meinen Stern“ statt. Insgesamt wurden ca. 9000 Päckchen von Kindern unserer Region in Kindergärten, Schulen und Kindertagesstätten liebevoll verpackt, um sozial benachteiligten Kindern eine weihnachtliche Freude zu bereiten. Im Jahr 2003 gingen 6000 dieser Päckchen wie schon in den Vorjahren zu den Heim- und Straßenkindern nach Bukarest in Rumänien, erstmalig auch 3000 Päckchen in den Kosovo, nahe Prizren, wo in einem Projekt der „Gesellschaft für bedrohte Völker“, Göttingen, Roma-Flüchtlingsfamilien unterstützt und integriert werden. Unter der Leitung von Paul Polanski, selbst Journalist und Schriftsteller, wurden diese Weihnachtspäckchen an Roma-Kinder, aber auch kosovarische Kinder verteilt.
Seit unserer ersten Weihnachtsaktion im Jahr 1995 sind mittlerweile ca 52 000 Päckchen auf die winterliche Überraschungsreise gegangen. Besonderer Dank gilt Frau Beate Färber und ihrer hier namentlich ungenannten Zahl von Helferinnen und Helfern, die den Erfolg dieser Weihnachtsaktion mit Siebenmeilenstiefeln vorangetragen haben. Kaum mehr ist möglich!
Zum zweiten Mal war unsere Aktion Kleiner Prinz in diesem Jahr 2003 auf dem Weihnachtsmarkt mit einem eigenen Stand vertreten, an dem Holzspielzeug und weihnachtlicher Schmuck aus dem Straßenkinderprojekt in Satu Mare erworben werden konnte. Nach vorheriger Ausstellungsmöglichkeit im Foyer des Josephshospitals Warendorf, war auch in diesem Jahr die Nachfrage mehr als groß, so dass Margret Grothues und ihr Team keine Sorgen haben mussten, unterbeschäftigt zu sein. Wiederrum eine gelungene Präsentation unserer Aktion in der Öffentlichkeit. Der Verkaufserlös wurde der Projektarbeit zugeführt.
Zusammenfassend war auch unser 10.Jahr seit der Gründung unserer Kinderhilfsorganisation im Jahr 1993 ein großer, begeisternder Erfolg. Insgesamt belief sich die Gesamtspendensumme auf 425 926 Euro, unsere Gesamtausgaben im Sinne unserer Satzung auf 408 323 Euro. Unsere Verwaltungskosten betrugen 4,69 Prozent. 366 Mitglieder fördern unsere Arbeit. Für das nun begonnene 11.Vereinsjahr 2004 haben wir uns viel vorgenommen. Insgesamt wurden bis heute 264 054 Euro zur Projektfinanzierung bewilligt. Unser gemeinsames Ziel ist es, durch Gewährleistung von längerfristigen Förderungszusagen Kontinuität und Planungssicherheit für die Projektverantwortlichen vor Ort herzustellen. Ebenso können durch diese Perspektivsicherungen auch besonders qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Projekte gebunden werden, was für unsere Qualitätskontrolle, so weit es uns möglich ist, von besonderer Bedeutung ist. Vor-Ort-Besuche gewährleisten zusätzliche Förderungssicherheit und letztlich auch Rechenschaftsfähigkeit vor unseren Spendern.
Unser gemeinsames Ziel ist es zudem, neue Mitarbeiter/ Interessierte für unsere vielfältigen Aufgabenstellungen zu gewinnen. Letztlich das ein oder andere in getreue und helfende Hände zu übergeben, damit gebundene Kräfte für zusätzliche Aufgabenstellungen frei werden. Wir stehen gerade hier auch in unmittelbarer Verantwortung im Hinblick auf ein gesichertes Fortbestehen unserer Kinderhilfsorganisation, denn die Zukunft, in die wir gehen wollen, ist letztlich auch davon abhängig, ob wir befähigt sind, unser Engagement durch besonders viele, hilfreiche Hände wirken zu lassen. Humanitäres Engagement lässt sich letztlich nicht durch Fachstudium erlernen, sondern nur durch ein vom Herzen getragenes praktisches Handeln. So freuen wir uns über jedes Zeichen mitwirken und mitgestalten zu wollen. Und sei es auch nur ein winziges Engagement. Nur so wird uns ein Fortbestehen möglich sein. Reihen können nur geschlossen und fortgesetzt werden, wenn andere die Möglichkeit haben nachzuwachsen. Das ist unser ausdrücklicher Wunsch!
Klaus Schäffer
Vorsitzender
Warendorf, den 23.März 2004

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