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Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen, sagte der Fuchs,
Aber du darfst sie nicht vergessen.
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast...

Antoine de Saint-Exupéry, 'Der kleine Prinz'

Jahresbericht 2002

10 Jahre unbürokratische Hilfe für Kinder in Kriegs- und Krisengebieten
18.Oktober 1993 - 18.Oktober 2003

"Man mag es sich kaum vorstellen..."

"Man mag es sich kaum vorstellen" - dieser zumeist leise ausgesprochene Satz war wohl der häufigste von allen Gedanken in den zurückliegenden 10 Jahren, der uns Mitarbeitern der ehrenamtlichen Kinderhilfsorganisation "Aktion Kleiner Prinz e.V." aus tiefster Seele kommend, über die Lippen ging. -"Man mag es sich kaum vorstellen"- dieses anfangs sprachlos machende, aber uns tiefberührende Entsetzen über das stille Leiden und Sterben der Kinder im Bosnienkrieg, weckte in uns 1993 den Wunsch, die eigene, lähmende Ohnmacht zu überwinden und durch Gründung unserer Kinderhilfsorganisation einen helfenden Beitrag zur Linderung der Not von Kindern in Kriegs- und Krisengebieten mit Hilfe der Unterstützung unserer Mitmenschen zu leisten. Am 18. Oktober 2003 können wir auf 10 Jahre vielfältiger Hilfseinsätze zurückschauen und zugleich einen kleinen, mutigen Ausblick auf die kommende Dekade wagen.

Im Zeichen eines die Menschen in der Welt erschreckenden und das Vorstellungsmaß an Grausamkeiten und Zuwiderhandlungen gegen die elementare Menschenwürde überschreitenden Krieges, begann die humanitäre, unbürokratische Hilfe für Kinder in Kriegs- und Krisengebieten, wo Kinder und Jugendliche Tag für Tag zum still leidenden Opfer von Krieg, Gewalt, Verfolgung und Katastrophen wurden. Angesichts des jetzt die Welt erschreckenden Krieges im Irak, in dem die Kriegsmethodik "chirurgisch sauberer und selektiver" sein soll, um die sogenannten "zivilen Kollateralschäden" zu minimieren, zugleich das Leiden, die Not und das Sterben der Menschen mittels hochtechnisierter Medien hautnah und unmittelbar berührend, zu uns herüberkommen; angesichts dieses Krieges, der uns alle mit großer Sorge erfüllt, gehen wir jetzt in unser 10.Jahr seit Vereinsgründung.
"Man mag es sich kaum vorstellen" - ein winziges Stück ist es uns gelungen, das Licht der Hoffnung für die im Abseits leidenden Kinder in Not ein wenig heller und wärmer leuchten zu lassen. Nicht zuletzt durch das unvorstellbar große Vertrauen vieler Menschen, groß und klein, weit über unsere münsterländische Region hinaus. Ohne diese fantastische finanzielle und materielle Hilfe wären wir auch nach 10 Jahren besten Bemühens hilfslose Helfer geblieben. Mit ebenso großem Dank wenden wir uns den verschiedenen regionalen und überörtlichen Medien zu, die unser Anliegen mit Herz und journalistischem Eifer überzeugend und informierend zu den Menschen in Stadt und Land getragen haben. Sie waren und sind letztlich Sprachrohr, auch Anwalt der Kinder in Not, die darauf hofften und hoffen, dass ihr Hilferuf nicht überhört wird.
"Man mag es sich kaum vorstellen" - das Jahr 2002 startete noch ganz im Nachklang unserer erfolgreichen Winterhilfsaktion für die afghanischen Flüchtlingskinder. Zwei große Iljushin-Transportmaschinen starteten im November 2001 vom FMO-Flughafen Münster/Osnabrück, bis an den Rand vollbeladen mit qualitativ guter Kinderwinterkleidung, die von tausenden Familien und Bürgern unserer Region gespendet wurden, damit afghanische Kinder in den vom Wintereinbruch heimgesuchten Flüchtlingslagern eine Überlebenschance erhalten.
"Man mag es sich kaum vorstellen" - 25.000 Kinder und 8025 Babys konnten nach offiziellem UNICEF-Bericht mittels dieser raschen und unbürokratischen Soforthilfe vor dem Kältetod geschützt werden. Unsere laufenden Förderungen für verschiedene Projekte in Rumänien, Bosnien und Mosambik konnten wir, wie in den Vorjahren, fortsetzen und zum Teil intensivieren und erweitern.
Das zweite Halbjahr 2002 war geprägt von unserer Hilfestellung für das von der Flutkatastrophe schwer in Mitleidenschaft gezogene Kinderheim des Landkreises Bitterfeld. Durch großartige Spendenbereitschaft vieler Menschen, Initiativen und Unternehmen aus freier Wirtschaft und Industrie wurden wir in die Lage versetzt, für die kompletten Sanierungsmaßnahmen die finanzielle Verantwortung zu übernehmen. In schnellen Schritten verliefen die Renovierungsmaßnahmen, so dass die ca. 30 Kinder nach wochenlanger, anstrengender Evakuierung wieder in ihr Zuhause zurückkehren konnten. Einen weiteren wichtigen Beitrag leisteten wir bei der Renovierung und Neuschaffung eines Begegnungshauses für Straßenkinder in Satu Mare/Rumänien, wobei wir die Komplettsanierung der Fenster, Türen und Sanitäreinrichtung finanzierten, wie auch für die Heimausstattung mit neuem, eigens in Rumänien angefertigtem Mobiliar die finanzielle Absicherung übernahmen. Am Sonntag, den 30.März 2003, ist unser Team unter Führung unseres Projektleiters Dieter Grothues nach Bosnien aufgebrochen, um in Ljubija, einem Vorort der Stadt Prijedor, einen mit unserer finanziellen Hilfe komplett sanierten Kindergarten für ca. 100 Kinder zu übergeben.
"Man mag es sich kaum vorstellen" - aber das Jahr 2002 endete schon wie in den Vorjahren seit 1995 mit unserer alljährlich zur festen Tradition gewordenen Weihnachtspäckchenaktion unter dem Leitgedanken "Ich schenk' Dir meinen Stern": Kinder helfen und bauen Brücken.
7500 liebevoll gefüllte Weihnachtspäckchen im Wert von 75.000 Euro gingen auf die weite, winterliche Reise zu den Heimund Straßenkindern nach Bukarest und Satu Mare in Rumänien, wo sie im Beisein unserer Helfer an die mit großen Augen staunenden und sehnsüchtig wartenden Kinder verteilt wurden. Solidarische Herzensbrücken zu bauen zwischen Kindern hier bei uns, denen es zumeist gut geht und Kindern, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, dies ist unser Anliegen seit dem erstmaligen Start dieser Weihnachtsaktion im Jahr 1995. Ca. 35.000 Päckchen gingen seither auf die Reise.
Auch in den anderen von uns geförderten Projekten wurde im Jahr 2002 hervorragende Arbeit geleistet. Zu nennen ist die "Oase" in Banja Luka, deren Mitarbeiter sich der Betreuung und psychosozialen Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und deren Familien in sozialen Krisen widmen. Zusätzliche Schwerpunkte sind die Selbstmordvorbeugung bei Kindern und Jugendlichen in sozialen Notlagen, wie auch die Begleitung von tumorkranken Kindern und deren Familien in Banja Luka.
Weiterhin das Team der "Generation" in Bukarest, welches vor nunmehr drei Jahren damit begonnen hat, in Rumänien eine neue Basis für eine fachgerechte und qualifizierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie zu schaffen. Große Schritte sind seither getan, eine Basis, auf der hoffnungsvoll aufgebaut werden kann, ist geschaffen. Vielen Kindern konnte in diesem Entwicklungs- und Behandlungsprojekt seelische Hilfestellung gegeben werden, um erlittene Traumatisierungen zu mildern und wenn möglich, zu überwinden. Unter der Ceaucescu-Diktatur wurde dieser wertvolle Behandlungszweig verboten. Mit der Gründung von "Generation" vor drei Jahren eine fachliche Erneuerung im Sinne eines "Vorreiter-Projektes für Ost-Europa" geschaffen. Unser Dank gilt an dieser Stelle insbesondere Frau Professor Ilany Kogan, Psychoanalytikerin und Therapeutin aus Tel Aviv/Israel, die die Projektentwicklung in regelmäßigen Besuchen als Supervisorin in Bukarest begleitet. Ebenso Herrn Professor Peter Riedesser, Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie am UKE Hamburg, der die Projektentwicklung entsprechend der gültigen Standarts im Fachgebiet fördert.
Das ursprünglich als Rehabilitationszentrum für ehemalige Kindersoldaten in Mosambik neuerbaute Begegnungshaus in Zimpeto, einem Vorort der Hauptstadt Maputo, wird jetzt, nachdem die ehemaligen Kindersoldaten erwachsen sind, als Zentrum für die Betreuung, Behandlung und soziale Fürsorge von Kindern aus sozialen Brennpunkten, insbesondere auch HIV-infizierten Kindern, weitergeführt. Sämtliche Personal- und Sachkosten, die dieses Betreuungszentrum in Zimpeto betreffen, werden von der Aktion Kleiner Prinz e.V. getragen, derzeit 35.000 Euro pro Jahr.
"Man mag es sich kaum vorstellen" - im Jahr 2002 betrug die Gesamtsumme der Spendeneinnahmen(Geld- u. Sachspenden) 409.912 Euro.
Davon entfielen 346 998 Euro auf Geldspenden, wie 58 743 Euro auf Sachzuwendungen(Hilfsgüter).

Die Gesamtsumme unserer Ausgaben in 2002 belief sich auf 406.897 Euro.
Unsere Verwaltungskosten betrugen 21.051 Euro, das sind 5,1% der Spendeneinnahmen.
Das Jahr 2003 begann unter den dunklen Vorzeichen des unmittelbar bevorstehenden Krieges gegen den Irak. Seit nunmehr 12 Jahren leiden die Menschen im Irak, insbesondere die Kinder und Familien, unter großen Versorgungsnöten infolge der UN-Sanktionen. Über 60% der irakischen Bevölkerung sind Kinder und Jugendliche unter 16 Jahre. Beinahe 5.000 Kinder sterben monatlich infolge der mangelnden Versorgung und unzureichenden medizinischen Hilfsmöglichkeiten. Praeventionsmaßnahmen gegen Seuchen und ansteckende Erkrankungen sind eher eine Ausnahme. Angesichts der nahenden, humanitären Katastrophe als Folge der militärischen Zerstörungen in diesem von Diktatur, Vorläuferkriegen und UN-Embargo geschundenen Land, beschlossen wir bereits Anfang Februar 2003, die ersten 25.000 Euro als Soforthilfe für notleidende Kinder und deren Familien, für Straßen- und Waisenkinder, unserem Kooperationspartner APN, "Architects for People in Need", in Bagdad für praktische Hilfen zur Verfügung zu stellen. Weitere 25.000 Euro folgten Ende März 2003, um das neugegründete Hilfsnetz in Bagdad, so bald die kriegerischen Auseinandersetzungen es zulassen, mit weiteren, lebensnotwendigen Hilfsgütern zu unterstützen. Der dramatische Versorgungsnotstand der Kinder und Familien erfordert unsere größten Anstrengungen zur mitmenschlichen Solidarität und Hilfe.
Feste Finanzmittelzusagen für laufende Projekthilfen in 2003: 371 453 Euro.
"Man mag es sich kaum vorstellen" - seit unserer Vereinsgründung am 18.Oktober 1993 haben wir 4.836.250 Euro Gesamtspenden in Hilfen für Kinder in Not umgesetzt, davon an Geldspenden 3.318.168 Euro, sowie Sachspenden im Wert von 1.518.082 Euro.
303 Mitglieder unterstützen unsere Aktion Kleiner Prinz e.V. im 10.Jahr seit Vereinsgründung.
Gehen wir mit Hoffnung auf eine friedvollere und menschlichere Welt in die nächsten zehn Jahre engagierter und von Herzen getragener Hilfe für Kinder in Not, die auf unseren Beistand und unsere helfenden Hände, groß und klein, hoffen und vertrauen.

Warendorf, den 31. März 2002

Klaus Schäffer
Vorsitzender

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