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Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen, sagte der Fuchs,
Aber du darfst sie nicht vergessen.
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast...

Antoine de Saint-Exupéry, 'Der kleine Prinz'

Jahresbericht 2001

819.000 DM hatte die Warendorfer "Aktion Kleiner Prinz" im abgelaufenen Vereinsjahr 2000 zur Notlinderung von Kindern und deren Familien in verschiedenen Krisen- und Katastrophengebieten der Welt eingesetzt. Davon wurden allein 250.000 DM für humanitäre Hilfsmaßnahmen während der Flutkatastrophe in Mosambik eingesetzt, sowie 270.000 DM zur Linderung der Hungersnot in Äthiopien.
Wie auch schon in den Jahren zuvor, stand auch das Jahr 2001 unter dem Zeichen der akuten Katastrophenhilfe für Kinder in Not und deren Familien.
Februar 2001
Mosambik wird erneut von einer Flutkatastrophe unbeschreiblichen Ausmaßes heimgesucht, so dass die "Aktion Kleiner Prinz" sich zur unbürokratischen Soforthilfe entschließt. Sie stellt 50.000 DM Soforthilfe aus Eigenmitteln zur Verfügung. Um die Menschen auf dem Landweg zu erreichen, müssen die Mitarbeiter der mosambikanischen Hilfsorganisation "Wiederaufbau der Hoffnung" unter der Leitung des in Deutschland ausgebildeten Psychologen Dr. Boja Ephraim jun. einen Umweg durch den Nachbarstaat Zimbabwe nehmen, insgesamt 3.000 km sind in annähernd drei Tagen zu bewältigen. Vorrangiges Ziel ist es, die Betreuer von flutverwaisten Kindern und Jugendlichen in ihren Aufgaben zu unterstützen und die Desorientierung der Kinder durch die Katastrophe möglichst zu verhindern.
Schon seit 1995 arbeitet die "Aktion Kleiner Prinz" in enger, freundschaftlicher Kooperation mit dieser mosambikanischen Hilfsorganisation zusammen. Während der Hilfsmaßnahmen der vergangenen Tage zeigte sich immer wieder, dass Kinder sich weigerten, in den rettenden Helikopter zu klettern, weil sie panische Angst hatten, ihr Heimatdorf niemals wiederzusehen und auf immer von der Familie und den Tieren, die sie hüteten, getrennt zu werden. Gerade die seelischen Wunden aus der noch nicht verkrafteten Flutkatastrophe des Jahres 2000 brechen jetzt erneut bei vielen betroffenen Kindern auf. Die mosambikanische Hilfsorganisation "Wiederaufbau der Hoffnung" bringt Spiel- und Schulmaterialien in die Flüchtlingscamps, die in entsprechenden therapeutischen Projektgruppen eingesetzt werden.
Schwerpunkte der seit 1995 bestehenden Kooperation mit der mosambikanischen Hilfsorganisation waren die Hilfestellung für ehemalige Kindersoldaten in Mosambik wie auch die psychosoziale Betreuung von Kindern und Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten.
Hilfstransporte - März 2001
AKP erfüllt auch kleine Träume: Am Mittwoch den 21. März 2001 startet die Warendorfer Hilfsorganisation "Aktion Kleiner Prinz" ihren 53. Hilfstransport mit 20 to dringend benötigter Güter nach Bosnien. Ziele dieser umfassenden Nothilfe sind die Kinderstationen der Krankenhäuser in Dublica und Prijedor, die auch im sechsten Jahr nach Ende des Balkankrieges unter den dürftigsten Bedingungen sich bemühen, die medizinische Grundversorgung sicherzustellen.
Es fehlt an allem, was für eine menschenwürdige Krankenversorgung benötigt wird. Aus diesem Grund hat die "Aktion Kleiner Prinz" ein genau abgestimmtes Hilfssortiment zusammengestellt, wobei Medikamente, insbesondere Antibiotika und Kinderpflegemittel, den größten Teil der Hilfsleistungen im Wert von 80.000 DM ausmachen.
Dieter Grothues, Projektleiter der "Aktion Kleiner Prinz", konnte sich noch kürzlich persönlich einen Eindruck von der Notlage beider Kinderstationen machen. Die Eltern schwer erkrankter Kinder müssen die Medikamente selbst bezahlen oder in das Krankenhaus mitbringen. Säuglinge und Kleinkinder müssen ohne Windeln auskommen, operative Hilfsmittel sind nicht in Sicht. Ca. fünf Tage wird der Hilfs-Truck brauchen, bis er über Österreich, Slowenien, Kroatien, die bosnisch-serbische Republik erreicht hat. Die Nothilfen der Warendorfer Aktion sind unabhängig von jeglicher politischer und staatlicher Zugehörigkeit der Bedürftigen, denn humanitäre Hilfe kennt keine Grenzen.
Gut ein Jahr vor dem 10jährigen internationalen Gedenken an den Ausbruch des zurückliegenden Bürgerkrieges im ehemaligen Jugoslawien, möchte die "Aktion Kleiner Prinz" die weiter im stillen Abseits herrschende Notsituation erneut ins Bewusstsein bringen. Dieter Grothues, wie auch Mira und Siegfried Herling, machen sich Ende März erneut auf den Weg nach Bosnien, um die Verteilung der Hilfsgüter vor Ort zu leiten. Wiederum hat die Lufthansa als seit Jahren bewährter Förderer Flugtickets bereit- gestellt. Mit dem jetzigen 53. Hilfstransport geht ein besonderer Herzenswunsch in Erfüllung. Mit auf die Reise geht ein gespendetes, nagelneues Mountainbike für den 16jährigen Sascha aus Prijedor, dessen erfolgreiche Leukämie-Therapie während des Krieges von der "Aktion Kleiner Prinz" finanziert wurde. Nichts sehnlicher als ein eigenes Fahrrad wünschte sich Sascha damals in der Hoffnung, eines Tages doch noch gesund zu werden. Dass dieser Wunsch jetzt in Erfüllung geht, davon weiß Sascha noch nichts, aber träumen wird er sicherlich davon.
Eine neue Orgel für den Clown Jupino - Mai 2001
Seit 1996 begibt sich der von der "Aktion Kleiner Prinz" geförderte Kindermitmachzirkus "Pinocchio" auf alljährliche Tournee zu den Kindern in Bosnien. Ob in Sarajewo oder Tuzla, an vielen Orten im ehemaligen Jugoslawien hat das Zirkus-Team um Josef Steinbusch, alias Clown Jupino, den Flüchtlingskindern viel Freude bereitet.
"Tränen, die du lachst, brauchst du nicht zu weinen" - unter diesem Motto startet Jupino auch in 2001 seine Sommer-Tournee mit finanzieller Hilfe der "Aktion Kleiner Prinz" nach Prijedor in Bosnien. Schon lange wünschte sich Jupino eine eigene Orgel für seinen Zirkus, insbesondere, um mit den Kindern frohe Lieder singen zu können, denn gerade Musik verbindet über alle Grenzen hinweg. Nun ging dieser Traum in Erfüllung! Die Warendorfer Kinderhilfsorganisation finanzierte den Kauf einer Orgel. Der Aachener Künster Jens Waßmuth übernahm kostenlos die farbige Gestaltung dieser Zirkusorgel, welche die herzlich nahe Beziehung zwischen Pinocchio und der "Aktion Kleiner Prinz" zum Ausdruck bringt. Homepage Kindermitmachzirkus "Pinocchio": www.ac-kinderzirkus-pinocchio.de.
Die seelischen Leiden der Kinder von Holocaust-Opfern: "Strigatul Copiilor Muti", "Der Stumme Schrei":
Unter diesem Titel erschien erstmals in Rumänien ein Buch über die seelischen Leiden der Kinder von Holocaust-Opfern. Autorin ist die renommierte Psychoanalytikerin Ilany Kogan aus Tel Aviv, die die fachliche Betreuung des Behandlungsprojektes für seelisch traumatisierte Kinder in Bukarest, welches von der "Aktion Kleiner Prinz" maßgeblich finanziert wird, leitet. In ihrem jetzt auch in Rumänien erschienenen Buch beschreibt Ilany Kogan in eindringlichen Fallschilderungen die bedrückenden Schicksale von Angehörigen der zweiten Generation von Überlebenden des Holocaust: Wie diese Kinder unbewusst das Trauma der Verfolgung und Vernichtung ihrer Eltern-Generation erlebten, wie sie die Folgen der vernichtenden Gewalt, die unbewältigbaren Verluste, das durch Schweigen erzeugte Geheimnis, in ihrer Phantasie unbewusst auslebten. In ihrem Vorwort schreibt Frau Kogan mit großem Einfühlungsvermögen über die Beziehung ihres Buches zu den seelischen und körperlichen Leiden der Unterdrückten und Verfolgten unter dem durchlittenen Ceauscescu-Regime. Auch in ihrem Heimatland hat diese mörderische Diktatur tiefe seelische Wunden hinterlassen, die auch in den nachfolgenden Generationen weiter wirken, da es so gut wie keine Hilfestellung für die Opfer gibt. Die "Aktion Kleiner Prinz" fördert die Herausgabe dieses Buches als ihren Beitrag gegen das Vergessen.
Juni 2001
Dank an Rolf Zuckowski - Benefizkonzerte auf der Landesgartenschau in Oelde.
Mit großer Vorfreude sah Deutschlands bekanntester und erfolgreichster Kinderliedermacher Rolf Zuckowski den Konzerten entgegen, die er im Rahmen der Landesgartenschau im Juni 2001 in Oelde gab. Der Reinerlös geht an die Warendorfer Kinderhilfsorganisation "Aktion Kleiner Prinz". Dazu Rolf Zuckowski: "Es ist für mich immer wieder beeindruckend, was diese Kinderhilfsorganisation leistet."
Rolf Zuckowski fördert die Arbeit der "Aktion Kleiner Prinz" schon seit 1994. Durch dieses Engagement setzte Rolf Zuckowski erneut ein Zeichen für seine tief empfundene Solidarität mit den Kindern in den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt. Vom 21. Juni bis zum 24. Juni gab Rolf Zuckowski insgesamt fünf Konzerte im Festpavillon der Landesgartenschau. Kinderchöre aus Warendorf und Diestedde unterstützten ihn dabei. Besondere Aufmerksamkeit fand das Erwachsenenkonzert "Aus kleinen Kindern werden große Leute", bei dem Rolf Zuckowski zusammen mit den ehemaligen "Kinderstars" seiner Konzerte aus den Vortagen auftrat. Rolf Zuckowski bereitet es sichtlich Vergnügen, sich mit seiner Musik und menschlich, der eher ungewohnten Zielgruppe der "großen Kinder" zu öffnen. Seine eigenen Kinder sind übrigens mittlerweile auch schon groß und unterstützen ihren Vater - Alexander an der Bassgitarre und Anuschka mit Gesang. Ebenso sind die Mitglieder seiner Band und weitere Solisten bekannt aus Kindertagen. Insgesamt wurden diese Benefiz-Konzerte auf der Landesgartenschau in Oelde zu einem großartigen Erfolg für die Warendorfer "Aktion Kleiner Prinz". 30.000 DM Reinerlös flossen in die Projektarbeit der Warendorfer Kinderhilfsorganisation.
August 2001
Perspektiven für die Hilfsarbeit der"Aktion Kleiner Prinz"
1.000.000 DM bis Ende 2003 für laufende Projekte bewilligt
Anfang August fasst der Vorstand der "Aktion Kleiner Prinz" den bisher weitreichendsten Beschluss seit der Vereinsgründung im Jahre 1993: Bis zum Ablauf des Jahres 2003 wird rund eine Million DM für die Sicherung und Weiterentwicklung der laufenden Projekte eingesetzt. Diese feste Zusage für die weitere kontinuierliche Unterstützung wurde in diesen Tagen den Verantwortlichen vor Ort übermittelt.
"Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast": Unter diesem Leitgedanken, entnommen aus dem Buch "Der Kleine Prinz" von Saint-Exupéry, entwickelt die Warendorfer Kinderhilfsorganisation seit nunmehr acht Jahren ihre Nothilfeprojekte. Dabei ist es wichtig, dass die Verantwortlichen in den verschiedenen Ländern Planungssicherheit erhalten - und damit eine Zukunftsperspektive für ihre Tätigkeit. Kurzfristige Hilfen sichern nicht den Fortbestand und die Weiterentwicklung notwendiger Hilfsstrukturen. Nachdem der Vorstand in den vergangenen Jahren bisherige Projekte geprüft hat, gilt es jetzt, den Blick in die Zukunft zu richten und die erzielten Hilfsstrukturen zu festigen und auszubauen. Wenn auch die "Aktion Kleiner Prinz" nicht unmittelbarer Arbeitgeber der Projektverantwortlichen ist, so fühlt sie sich dennoch verantwortlich, den dort Tätigen, und ihren Familien ebenso, eine soziale Sicherheit - zumindest für einige Jahre - zu geben.
Zudem wird die Erfahrung gemacht, dass auch in unterentwickelten Ländern sogenannte gute Leute nur schwer an kurzfristige Projekte zu binden sind. Gefördert werden bis 2003: Das Resozialisierungsprojekt "Kinder aus sozialen Randgruppen" in Mosambik, das psychotherapeutische Projekt "Generation" für seelisch traumatisierte Kinder in Bukarest, Rumänien, das Selbstmord-Vorbeugungsprojekt "Oase" in Bosnien, der Kindermitmachzirkus "Pinocchio" aus Aachen, der jedes Jahr nach Bosnien fährt, das Kinderhilfsprojekt in Satu Mare, Rumänien, das jetzt in diesen Tagen gestartet wird. Zusätzlich wird die alljährliche Weihnachtspäckchen-Aktion "Ich schenk' dir meinen Stern", die seit fünf Jahren läuft, im Dezember fortgesetzt.
Gemalte Kinderträume - "Aktion Kleiner Prinz" lässt Kinderträume wahr werden.
"Blütenzauber und Kinderträume" lautete das Motto der Landesgartenschau in Oelde. Parallel zu den Benefiz-Konzerten mit Rolf Zuckowski hatte die Warendorfer Kinderhilfsorganisation alle Kinder aufgerufen, an einem Malwettbewerb teilzunehmen. Das Motto: "Malt uns euren schönsten Traum". Eine wahre Flut von Kinderträumen erreichte in den nachfolgenden Wochen die Jury der "Aktion Kleiner Prinz". "Ich träume von ganz viel Geld" - so beschrieb z.B. Jens Lohmann aus Beckum sein buntes Bild, auf dem er in seinem Bett liegt, über dem sich viele Scheine und Taler stapeln. Die "Aktion Kleiner Prinz" reagierte prompt: "Jens solle möglichst schnell groß werden, um den Vorsitz der Kinderhilfsorganisation zu übernehmen. Denn auch die Aktiven der Organisation träumen von ganz viel Geld, damit sie notleidenden Kindern helfen können!", betonte damals der Vorstand in einem Pressegespräch. Weil alle eingesandten Bilder so schön und individuell waren, wurde jetzt jedes Kind mit einer Überraschung aus Warendorf bedacht. "Helfen soll Spaß machen!"
19. September 2001
Friedensaufruf mit Symbolkraft - Schüler, Lehrer und Eltern gedachten auf dem Warendorfer Marktplatz der Opfer der Terroranschläge von New York und Washington:
Eine Woche nach den entsetzlichen Terroranschlägen in den USA hatte die "Aktion Kleiner Prinz" vor allem alle Schülerinnen und Schüler, alle Jugendlichen der Stadt Warendorf und Umgebung, zum Gedenken an die Opfer in New York und Washington aufgerufen. Die Betroffenheit war greifbar nahe auf dem Warendorfer Marktplatz. Viele hundert Schüler, Lehrer und Eltern hielten Kerzen in der Hand oder Transparente in die Höhe. Selbst die Kleinsten waren trotz ihrer Jugend mit dem nötigen Ernst bei der Sache - so sehr hatten sie offenbar die Bilder der vergangenen Woche betroffen gemacht. Im Schein der Kerzen brachten Schüler der Warendorfer Schulen in Texten, Gedichten und Liedern ihre Ängste, Hoffnungen, Trauer und Fassungslosigkeit zum Ausdruck. In den hinteren Reihen Feuerwehrleute in Uniform: Sie gedachten still der Kameraden, die in den USA ihr Leben ließen.
Frieden: In allen Sprachen übersetzten Schüler der Bodelschwingh-Schule diesen Wunsch. Ranin Doeud, Tochter irakischer Eltern, sprach ein arabisches Friedensgebet - Auch das ein Zeichen in diesen Tagen. "Maikäfer flieg. Sag' Mama, gibt's jetzt Krieg?" - Diese Gedichtzeilen, vorgetragen von Stefanie Wiengarten, berührten die Warendorfer ebenso wie der Enya-Song "One Time", der auf immer mit den Schreckensbildern verbunden sein wird.
20. September 2001
Weltkindertag - Unterstützung für traumatisierte Kinderseelen
In diesem Jahr widmet die "Aktion Kleiner Prinz" ihre besondere Aufmerksamkeit den seelisch traumatisierten Kindern dieser Welt. Sie leiden unter körperlichen und seelischen Verletzungen infolge Krieg, Verfolgung, Gewalt und Katastrophen, nicht nur in den zahlreichen Krisenherden dieser Welt, nein, auch in den wirtschaftlich gut entwickelten Wohlstandsregionen unserer Erde. Traumatisierte Kinder schlafen vielfach kaum, sind teils aggressiv oder auch apathisch teilnahmslos. Sie zeigen ein Zuviel oder Zuwenig an Emotionen, ihre innere Welt steht kopf, ist aus dem Gleichgewicht gebracht. Die Kinder der Kriege und Katastrophen haben alles verloren, was ihnen lieb ist und ihnen Schutz und Geborgenheit gibt. Sie haben ihr Bett und ihr Spielzeug verloren, ihre Freunde und Schulkameraden, von Eltern, Geschwistern und Familienangehörigen ganz zu schweigen.
Wenn sie ihren Seelen Luft machen und noch die Fähigkeit haben, malen zu können, dann malen sie immer wieder Häuser, die zerstört und menschenleer sind. Sie malen ihre Spielzeuge, die ebenso wie sie verletzt sind, die aus großen Wunden bluten. Traumatisierte Kinder müssen zumeist mit den unsichtbaren Verletzungen ihrer Seelen allein fertig werden, denn wirksame therapeutische Konzepte sind rar, auch fehlt es, wie oft, an finanziellen Mitteln, effektive Projekte langfristig zu sichern. Selbst in Deutschland ist die Zahl dieser traumatisierten Kinder groß, erinnert die "Aktion Kleiner Prinz" zum Weltkindertag 2001. Körperliche Gebrechen sind sichtbar und schnell einer entsprechenden medizinischen Versorgung zuzuführen. Die Heilerfolge zeigen sich mitunter schnell, so dass diese Leistungen der Medizin messbar und auch statistisch erfassbar sind.
Dagegen liegt die Zahl der seelisch traumatisierten Kinder jedoch häufig im Dunkel. Gewiss ist nur, dass die Nachfrage um Behandlungsmöglichkeiten von seelisch kranken Kindern beständig zunimmt: Es gibt aber zu wenig ausgebildete und qualifizierte Therapeuten. Auch die aktuellen Terroranschläge von New York und Washington werden in Deutschland viele Kinderseelen mit Alpträumen heimsuchen. Weltkindertag 2001 - auch hier bei uns zu Hause sind Kinderseelen in Not, und es fehlen landauf und landab genügend fachliche Möglichkeiten, diese seelischen Ängste und auch deren körperlichen Auswirkungen wirksam zu lindern.
Seit 1993 widmet sich die Warendorfer Kinderhilfsorganisation vor allem auch diesen seelisch traumatisierten Kindern in den verschiedenen Krisenherden der Welt. So werden Projekte im ehemaligen Jugoslawien, in Mosambik und in Rumänien gefördert. Hinweisen möchte die "Aktion Kleiner Prinz" dabei an erster Stelle auf das von ihr seit drei Jahren maßgeblich geförderte Behandlungsprojekt für seelisch traumatisierte Kinder in Bukarest, welches sich den Aufbau einer fachlich qualifizierten Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie in Rumänien zum Ziel gesetzt hat.
"Aktion Kleiner Prinz" fördert Reha-Zentrum in Rumänien:
Anfang der 90er Jahre gingen dramatische Bilder von behinderten Kindern in den riesengroßen staatlichen Einrichtungen Rumäniens um die Welt und sorgten für große Betroffenheit. Jetzt erreichte die Warendorfer Kinderhilfsorganisation der Hilferuf eines Rehabilitationszentrums im Nordwesten Rumäniens, in der Stadt Satu Mare. - Dieses Projekt droht wegen Geldmangels zu scheitern. Die menschenverachtende Haltung des früheren kommunistischen Regimes gegenüber Behinderten und anderen Randgruppen der Gesellschaft hatte nach der Ablösung der Diktatur zunächst zu einem großen Hilfsangebot aus dem Ausland geführt.
In Satu Mare entstand im Jahre 1995 mit finanzieller Unterstützung aus Deutschland ein Rehabilitationszentrum für behinderte Kinder. Träger dieser Einrichtung ist die Caritas Satu Mare. Ursprünglich war geplant, das Haus nach Ablauf der sechsjährigen ausländischen Finanzierung in eine rumänische Finanzierung zu überführen. Man hatte gehofft, dass eine bessere wirtschaftliche Lage in Rumänien dies ermöglichen würde. Nun stellt sich jedoch heraus, dass eine rumänische Finanzierung in weite Ferne gerückt ist und die deutschen Projektpartner sich außerstande sehen, neue Gelder zu bewilligen, was eine Fortführung dieses für ganz Rumänien einzigartigen Modellprojekts sicherstellen würde.
Dieter Grothues, Vorstandsmitglied der "Aktion Kleiner Prinz" und Projektleiter der Kinderhilfsorganisation sowie seine Frau Margret Grothues, reisten im September 2001 nach Satu Mare, um mit den Verantwortlichen der Caritas Gespräche über eine Zusammenarbeit zu führen. Der Kontakt ist durch Hanni Rolves von den Hiltruper Missionsschwestern zustande gekommen. Schwester Hanni ist in Satu Mare seit Jahren seelsorgerisch und organisatorisch tätig.
In einem Gespräch mit dem leitenden Kinderarzt, Dr. Kosa, bekamen die AKP-Mitglieder einen Einblick in die Arbeit des nun erheblich gefährdeten Reha-Zentrums. Diese Einrichtung für behinderte Kinder bietet Frühförderungsmaßnahmen für Kinder bis zu sieben Jahren mit Entwicklungsverzögerungen und körperlich-seelischen Behinderungen an. Ein breit gefächertes Hilfsangebot, unter anderem Krankengymnastik, heilpädagogische Frühförderung, Logopädie und Ergotherapie, besteht für Kinder und Säuglinge, die in ihrer Entwicklung Verzögerungen im Vergleich zu Gleichaltrigen aufweisen, sowie für Kinder und Säuglinge, die seit der Geburt oder seit früher Kindheit eine Behinderung haben. Nicht nur den Kindern wird eine direkte Hilfe angeboten, sondern auch den Familien wird geholfen, damit sie ein Gleichgewicht zwischen ihren Bedürfnissen und Schwierigkeiten finden.
Mehr als 150 Kinder konnten in den letzten Jahren an Förderungen teilnehmen. Vielen wurde dadurch ermöglicht, einen Kindergarten und anschließend eine Schule zu besuchen. Um die weitere Existenz dieses einzigartigen Rehabilitationszentrums für behinderte Kinder finanziell zu sichern, entscheidet sich der Vorstand der "Aktion Kleiner Prinz", zunächst für weitere drei Jahre insgesamt 120.000 DM zur Verfügung zu stellen.
Oktober 2001 - Neue Spielgeräte für das Frauenhaus Warendorf
Die "Aktion Kleiner Prinz" will sich nicht nur für notleidende Kinder im Ausland engagieren, sondern auch immer ein Auge für hilfesuchende Kinder im eigenen Land haben. Somit entschließt sich der Vorstand, 20.000 DM bereitzustellen, damit das Warendorfer Frauenhaus neue Geräte für den hauseigenen Spielplatz anschaffen kann. Die Kinder, die mit ihren Müttern Zuflucht im Frauenhaus suchen, haben meistens schon schreckliche Erlebnisse hinter sich, so dass sie dringend Hilfe und seelischen Beistand brauchen. Da es gerade solche wirkungsvollen Einrichtungen meist schwer haben, entsprechende finanzielle Mittel zu mobilisieren, leistet die "Aktion Kleiner Prinz" seit Jahren stille Hilfen, insbesondere für die betroffenen Kinder im Warendorfer Frauenhaus. Das Ergebnis lässt sich sehen: Ausgesucht hatten sich die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses einfache Spielgeräte ohne irgendwelche Extras, zwei miteinander verbundene Spieltürme, eine Rutsche und zwei Schaukeltiere. "Jetzt haben unsere Kinder endlich wieder einen sicheren Ort zum Spielen", erklärte die Leiterin des Hauses, Marion Simon.
13. Oktober 2001 - Winternothilfe für die afghanischen Flüchtlingskinder:
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Die Lage der Kinder in den Flüchtlingslagern in Afghanistan und Pakistan spitzt sich dramatisch zu. Für Hunderttausende Kinder geht es jetzt um das nackte Überleben. Die dringend notwendigen Hilfen werden erschwert, weil Lieferungen wegen des US-Bombardements unterbrochen werden. In den Krisengebieten steht der Wintereinbruch bevor. Bei Minustemperaturen um 20° C droht den Flüchtlingen, insbesondere den Kindern, der Kältetod. Nach vorheriger, eingehender Absprache mit der Deutschen Botschaft in Pakistan, sowie nach Sicherung des Bedarfs durch UNICEF Afghanistan vor Ort, wie auch nach Abklärung des Verteilungskonzeptes, startet die "Aktion Kleiner Prinz" eine groß angelegte Sammelaktion für afghanische Flüchtlingskinder. Die Bürger im Münsterland sind aufgerufen, warme Kinderkleidung, Winterschuhe und Decken für die Kriegsflüchtlinge zu spenden. Dabei achtet die "Aktion Kleiner Prinz" insbesondere darauf, dass die gespendeten Winterhilfen sauber, intakt und brauchbar sind, um die Menschenwürde dieser notleidenden Kinder gerade angesichts des unendlichen Leides, welches sie durchgemacht haben, zu wahren. Dieser bisher größte Hilfeaufruf der "Aktion Kleiner Prinz" seit Bestehen soll im Rahmen der unbürokratischen Soforthilfe ein Überleben dieser Kinder in den Flüchtlingslagern sichern. "Es ist 5 Minuten vor 12", so der Vorstand der "Aktion Kleiner Prinz":
Unter den menschenunwürdigsten Bedingungen warten Millionen von Flüchtlingen in den zahlreichen Sammellagern von Afghanistan, Pakistan und dem Iran auf rasche Hilfe. Aus einfachstem Material wie Jutesäcken werden Notunterkünfte errichtet. Warme Kleidung und Decken fehlen. Und das wenige Wochen vor dem drohenden Wintereinbruch, der der Region Temperaturen um minus 25° C bescheren wird. Tausenden von Flüchtlingen droht der Erfrierungstod. Für die Helfer hat der Wettlauf mit der Zeit begonnen. Fast eine Million Kinder sind akut lebensbedroht. Ganze Dorf- und Stadtgemeinschaften sind auf der Flucht.
In Pakistan, wo in den Lagern der Grenzstadt Peshawar (800.000 Einwohner) schon jetzt über eine Million Flüchtlinge unter den menschenunwürdigsten Bedingungen leben, ist die Not besonders groß. Aus eigener Kraft kann Pakistan, selbst auf die wirtschaftliche Hilfe der Vereinten Nationen angewiesen, diese humanitäre Katastrophe nicht bewältigen. Trotz der bereits begonnenen Nahrungshilfen durch die UN, droht durch den nahenden Winter der Kältetod vieler Tausender Menschen, vor allem von Kindern. "Nur mit gezieltem Engagement aller in der humanitären Hilfe Tätigen kann diese menschliche Katastrophe gemildert werden", so der Vorstand der "Aktion Kleiner Prinz".
Nachdem UNICEF Afghanistan den dringenden Bedarf an warmer Kinder-Winterkleidung sowie Decken signalisiert hat, und nach Abklärung der geplanten deutschen Hilfe mit der Deutschen Botschaft in Islamabad, Pakistan, beginnt jetzt im Münsterland die sicher größte humanitäre Hilfsaktion für Kinder in einem Krisengebiet: Die "Aktion Kleiner Prinz" bittet Vereine, Gemeinschaften, Privatinitiativen, Jugendzentren, Firmen, Schulen und Kindergärten, soziale Einrichtungen und karitative Organisationen, Sammlungen für warme Winterkleidung für Kinder durchzuführen. Die Warendorfer Kinderhilfsorganisation beabsichtigt, ein großes Transportflugzeug zu chartern, um diese dringend benötigten Winterhilfen direkt in das Krisengebiet zu fliegen. Dabei werden die Kinder-Winterkleidung sowie die Decken in entsprechende Umzugskartons verpackt und zentral in Warendorf in der "Emsarena", einer großen Veranstaltungshalle, die durch private Bereitschaft kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, zusammengeführt. Nach Abschluss der Sammelaktion sollen die Hilfsgüter zum Flughafen Münster-Osnabrück gebracht werden, wo sie in die entsprechende Transportmaschine verladen werden. Die anvisierte Iljushin IL 76 fliegt direkt nach Peshawar in Pakistan und wird dort nach Ankunft von UNICEF Afghanistan entladen, die die Winterkleidung direkt zu den notleidenden Kindern in die Lager nach Afghanistan und in Pakistan bringen wird. Diejenigen, die über keine Kleiderspenden verfügen, werden dringend um finanzielle Unterstützung gebeten, damit die Transportkosten gedeckt werden können.
Das Hilfskonzept der "Aktion Kleiner Prinz" ist perfekt: Gebraucht wird vor allem warme Kinder-Winterkleidung: Pullover, Hosen, Jacken, Mäntel, Wollmützen, paarige Handschuhe, Winter-Babysachen, Winterschuhe, warme Strümpfe und Socken. Sie müssen intakt und paarweise sein - alles, was vor minus 20° Kälte schützen kann. Weiterhin Decken, insbesondere Wolldecken, wie auch Babydecken, Kinder-Winterschuhe, Schneestiefel, alles, was vor Kälte und Nässe schützt. Die Hilfslieferung der "Aktion Kleiner Prinz" wird auf den Kartons als "Deutsche Humanitäre Hilfe" in den Landessprachen "Dari" und "Pashtu" gekennzeichnet. Der Inhalt der Kartons soll durch einen Buchstaben gekennzeichnet werden: "B" für Babys, "K" für Kinder, "S" für Schuhe, "D" für Decken. Aus logistischen Gründen wird alles in Standard-Umzugskartons verpackt. Jeder noch so kleine Raum soll ausgenutzt werden. Dafür ist eine einheitliche, stabile Verpackung Voraussetzung. Stapelung und Palettierung sind nur mit Einheitsgrößen möglich. Die Hilfskisten werden in Pakistan erneut verladen, möglicherweise auf Lasttiere umgepackt. Die Umzugskartons können nach Entleerung in Notzelten auseinandergefaltet und möglicherweise als Schutz gegen Kälte verwendet werden. Um direkt und zeitnah helfen zu können, hat sich die "Aktion Kleiner Prinz" zu der bisher ungewöhnlichen Maßnahme entschlossen, nämlich wegen des dringenden Bedarfs und der bestehenden Zeitnot, noch vor dem Wintereinbruch im Krisengebiet zu sein, auf den Landtransport zu verzichten. Innerhalb kürzester Zeit hat die Warendorfer Kinderhilfsorganisation alle logistischen Grundlagen geschaffen, um dieses einzigartige Hilfskonzept zu realisieren. Der Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Presseinformation Montag 15. Oktober 2001: "Winternothilfe Afghanistan angelaufen. - Ein Supertag der Hoffnung! Was war das für ein Tag! Nicht einmal zu träumen hätten wir von dieser ersten, überwältigenden Reaktion gewagt! Eine schier unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft schlug über unserem kleinen Aktionsbüro in Warendorf an der Breiten Straße zusammen. Man hatte fast den Eindruck, als sei das gesamte Münsterland auf den Beinen, um Hilfen für die vom Kältetod bedrohten Flüchtlingskinder von Afghanistan zu bringen. Unsere zwei Telefone klingelten pausenlos, was nicht gleich zusammen angenommen werden konnte, wanderte auf unseren Anrufbeantworter, zur Mittagspause parkten hier über 35 Anrufe, die nicht direkt entgegengenommen werden konnten. Die Mailbox war voll, das Faxgerät rappelte. Und das ohne Pause. Hier 25 Kindergärten aus dem Raum Ahlen, dort Messdienergruppen aus Münster, Kleiderkammern, Tageseinrichtungen für Kinder aus Rheine, Apothekerteams aus Dülmen, Leute aus Telgte, Beckum, Familieninitiativen diverser Orte, die in ihrem Wohngebiet sammeln wollen, Kirchengemeinden, Geschäfts- und Privatleute, die spenden wollen, Parteiinitiativen, die sammeln gehen, eine Zahnärztin aus Nienberge, die am Samstag zur großen Einpackaktion nach Warendorf kommen will, und viele, viele mehr..."
Allen war gleichsam: "Das, was ihr vorhabt, ist genau das Richtige! Die Idee, ein Flugzeug mit warmen Wintersachen direkt zu den Flüchtlingskindern von Afghanistan zu bringen, ist nicht spinnert, sondern toll, macht nur weiter so! Ihr sprecht uns aus dem Herzen! Genau darauf haben wir gewartet."
"Über 63 Leute gingen heute zur Bank und spendeten insgesamt über 13.000 DM! Und das wohlwissend, dass dieses Geld für die Flugkosten gebraucht wird. Unglaublich! Ein Zeichen dafür, dass unsere Botschaft in die richtigen Ohren kam: Die Leute haben verstanden, dass dies jetzt "unsere Chance" ist, sozusagen von der Basis aus zu helfen. Keine großen Worte, keine nicht erfüllbaren Ziele, sondern einfach mit dem zu helfen, was wir genug haben, nämlich Kleidung in unseren Schränken. Und gerade die fehlt jetzt den Kindern dort am meisten, neben der täglichen Nahrungsversorgung, die von der UN übernommen wird. Geschätzt werden ab heute schon einmal 300 Umzugskisten gefüllt, 1200 bleiben noch in voller Erwartung, dass sie in den nächsten Tagen Bereitwillige finden. Aber das war ja nun der erste Tag von 15 verbleibenden. Das macht Hoffnung. Ab morgen haben wir uns wie ein Call-Center organisiert, um 10 Uhr geht es los in unserem Aktionszentrum. Notizzettel, Info-Bögen, alles ist vorbereitet, damit's noch reibungsloser klappt. Die Zeit eilt, alle Hilfsorganisationen, die irgendwie helfen können, sind jetzt gefragt, Initiative und Kreativität zu zeigen. Denn der Winter in Afghanistan wartet nicht auf uns, bis wir da sind. Allen, die uns helfen, dass unsere Aktion gelingt, dass diese Welle der Hilfsbereitschaft und des Mitgefühls für diese Kinder in Not weiter fortgetragen wird, ihnen allen schon jetzt unser großer Dank von Herzen!" (Zitat aus Presseinfo)
Die Solidarität in der Bevölkerung weit über das Münsterland hinaus ist unbeschreiblich. Über 4.200 Kartons, ausgewiesen im Rechenschaftsbericht der UNICEF Afghanistan, werden in knapp drei Wochen mit gut erhaltener, sauberer Kinder-Winterkleidung sowie Decken gefüllt und für den Transport nach Pakistan vorbereitet. Am 6. November 2001, dem 23. Tag der Winternothilfeaktion, startet morgens um 10 Uhr das erste Transportflugzeug des Typ Iljushin IL 76 problemlos vom Flughafen FMO Münster-Osnabrück. 1.700 Hilfskartons mit dringend benötigter Überlebenshilfe für die afghanischen Flüchtlingskinder gehen so auf den direkten Weg in das Krisengebiet. Das Fassungsvermögen einer Iljushin entspricht ungefähr dem Ladevolumen von zwei 20-t-Trucks. Da die Zeit eilt, entschließt sich der Vorstand der "Aktion Kleiner Prinz", die gecharterte Iljushin nach Entladung in Pakistan zum Flughafen Münster-Osnabrück zurückkehren zu lassen, um sie dann erneut, vollgepackt mit Winterhilfen, auf den Weg in die Krisenregion zu schicken. Am Samstag den 9. November 2001 startet die Iljushin erneut in den späten Nachmittagsstunden vom Flughafen FMO Münster-Osnabrück nach Pakistan. Wiederum gehen 1.700 Kartons auf den Weg der raschen Hilfe. Die restlichen, noch in der "Emsarena" befindlichen Umzugskartons mit Kinder-Winterkleidung werden am gleichen Tag auf zwei 20-t-Trucks verladen, die sich auf den langen Landweg nach Pakistan begeben.
Wie UNICEF Afghanistan mitteilt, sind sieben afghanische Hilfsorganisationen in das Verteilungskonzept vor Ort eingeschaltet, die in neun sogenannten Projektzonen die Verteilung der Winterhilfen durchführen. Die auf dem Weg nach Pakistan befindlichen Trucks sollen entsprechend in die Grenzstadt Quetta weiterfahren, um von dort die afghanischen Flüchtlingskinder im iranischen Grenzgebiet zu erreichen. Innerhalb kürzester Zeit werden die mit den beiden Transportmaschinen nach Pakistan transportierten Winternothilfen an die afghanischen Flüchtlingskinder verteilt. In dem ausführlichen Rechenschaftsbericht der UNICEF Afghanistan über die erfolgte Verteilung vor Ort wird das unglaubliche Ausmaß dieser wirksamen Winternothilfeaktion deutlich: Insgesamt konnten mehr als 45.000 Kinder in den Flüchtlingslagern direkt mit warmer Winterkleidung und Decken versorgt werden.
Wenn eine Nothilfeaktion zugunsten kriegsbetroffener Kinder, die von Gewalt, Flucht und Not bedroht sind, erfolgreich abgeschlossen werden konnte, dann stellt sich für alle, die an dieser Hilfestellung mitwirkten, zumindest ein kleines Gefühl der Zufriedenheit ein. Wenn diese Hilfen ihr Zielgebiet erreichen, und das in dem Zeitrahmen, in dem rasche Hilfe noch lebenserhaltend wirksam wird, dann festigt sich das menschliche Mitempfinden, genau das Richtige zum rechten Zeitpunkt getan zu haben. Wenn schließlich Rechenschaft für das Bewirkte geleistet werden kann und das an all diejenigen, die durch materielle, finanzielle wie auch ideelle Hilfe unterstützt haben, dann ist ein Stein hinzugefügt im großen Mosaik der verantworteten, vielfältigen humanitären Hilfestellung für Kinder in Not.
Der Rechenschaftsbericht von UNICEF Afghanistan weist aus, dass die Warendorfer Kinderhilfsorganisation "Aktion Kleiner Prinz" ihr bisher größtes und logistisch herausforderndstes Nothilfeprogramm für afghanische Flüchtlingskinder von Oktober bis Dezember 2001 erfolgreich umgesetzt hat.
Angesichts des drohenden Kältetodes Abertausender afghanischer Flüchtlingskinder in den Lagern im Grenzgebiet Afghanistans, wie in Afghanistan selbst, startete die Kinderhilfsorganisation eine große Sammelaktion von gut erhaltener Kinder-Winterkleidung. Riesengroß war die Resonanz weit über das Münsterland hinaus. Über 80 Initiativen unterstützten die "Aktion Kleiner Prinz" mit lokalen Sammelpunkten, über 50 freiwillige Helferinnen und Helfer sortierten und verpackten Tausende Umzugskartons. Ca. 480 cbm Kinder-Winterkleidung kamen zusammen, fast 80 t Überlebenshilfe. Mit zwei Transportflugzeugen vom Typ Iljushin starteten die ersten Winterhilfen vom FMO Münster-Osnabrück via Peshawar, Pakistan Anfang November 2001. 14 Tage später gingen zusätzlich zwei 20-t-Trucks auf den Weg nach Quetta, Pakistan, nahe der iranisch/afghanischen Grenze. UNICEF Afghanistan, mit der von Beginn an sämtliche logistischen Notwendigkeiten abgeklärt wurden, sorgte für die Verteilung der vielfältigen Hilfen bis hinauf nach Kabul durch ihre vertrauenswürdigen, regionalen Partner vor Ort. Ein einzigartiges Konzept ging auf.
In dem vorliegenden Rechenschaftsbericht von UNICEF Afghanistan erfährt die "Aktion Kleiner Prinz" erstmals das überwältigende Ausmaß dieser Hilfe zum Überleben: Über 45.000 afghanische Flüchtlingskinder konnten mit Winterkleidung unterstützt werden. Die "Aktion Kleiner Prinz" schätzt sich glücklich und ist dankbar, dass Ihnen diese neutrale Rechenschaft vorgelegt werden kann. Denn für die "Aktion Kleiner Prinz", die im Vertrauen der Spender steht, ist die Rechenschaftslegung die größte Pflicht, die sie sich selbst abfordert. Die entstandenen Transportkosten in Höhe von ca. 450.000 DM wurden durch finanzielle Hilfen seitens der Bevölkerung wie auch durch den Einsatz des für solche Nothilfemaßnahmen bestehenden Katastrophenfonds gedeckt.
Die während dieser Winternothilfeaktion häufig geführte Diskussion um die wirtschaftliche Effizienz dieser Soforthilfe, angesichts der doch erheblichen Transportkosten, konnte letztendlich durch den übergroßen Erfolg, nämlich 45.000 Kindern einen wirksamen Schutz gegen den Kältetod gegeben zu haben, für alle befriedigend zu einem überzeugenden Ergebnis geführt werden. Die 480 cbm Kinder-Winterkleidung waren von derart hohem qualitativen Standard, dass die Angabe eines Materialwertes von ca. 420.000 DM durchaus gerechtfertigt ist. Niemals zuvor hat in der Vergangenheit eine solch breit angelegte Hilfsaktion für notleidende Kinder, durchgeführt im Münsterland, einen derart hohen Wirkungsgrad erreicht.
Noch heute dankt die "Aktion Kleiner Prinz" allen Förderern, Unterstützern, allen Mitarbeitern, die sich hilfreich zur Verfügung gestellt haben, aus ganzem Herzen in gemeinsamer Erinnerung an diese großartige Solidarität mit den Kindern in Not. Wie UNICEF Afghanistan in ihrem Rechenschaftsbericht ausweist, waren letztlich der Einsatz der beiden Flugzeuge der Schlüssel zum Erfolg dieser Winternothilfeaktion, denn die dringend benötigte Kinder-Winterkleidung erreichte noch vor Einbruch des Winters die Notleidenden in den Flüchtlingslagern von Afghanistan und Pakistan.
Ein abschließender Dank gilt insbesondere auch der Band um Heinz Termathe, die am 4. November 2001 ein großartiges Benefiz-Konzert unter dem Titel "With a little Help" zugunsten der afghanischen Flüchtlingskinder durchführte. Mehr als 400 Zuhörer erlebten an diesem Abend ein mitreißendes Konzert, welches mit seinem Reinerlös zur Deckung der Flugkosten wirkungsvoll beitrug.
"Ich schenk' dir meinen Stern" - Alljährliche Weihnachtspäckchenaktion für die Heim- und Straßenkinder in Bukarest sowie Satu Mare in Rumänien:
Über 8.000 Päckchen, das gab's noch nie!
Seit 1995 führt die Warendorfer Kinderhilfsorganisation jährlich zur Weihnachtszeit ihre alljährlich wiederkehrende Weihnachtsaktion unter dem Motto "Ich schenk' dir meinen Stern" durch. In diesem Jahr sprengt der eingetretene Erfolg selbst die kühnsten Erwartungen. Hatten die Verantwortlichen noch am Vormittag mit rund 6.000 Weihnachtspäckchen mit Süßigkeiten und kleinen Geschenken wie in den Vorjahren gerechnet, so waren es am Nachmittag 2.000 mehr, die dann auf zwei 20-t-Lastzügen den Weg nach Rumänien antraten. Über 100 Kindereinrichtungen, Kindergärten, Kindertagesstätten, Schulen aus dem Kreis Warendorf und dem Münsterland unterstützten auch in diesem Jahr diese wunderbare Weihnachtsaktion. Allein in Bukarest konnten 25 Einrichtungen für Heim- und Straßenkinder mit den weihnachtlichen Überraschungen bedacht werden. Die Verteilung in Bukarest wurde, wie in den Vorjahren, vorgenommen durch die kooperierende Hilfsorganisation Sinergii, die ein spezielles Verteilungssystem organisiert hatte. In Satu Mare sorgte die dort ansässige Caritas für die entsprechende Verteilung an die Kinder in den Heimen. 1995 wurde die Weihnachtsaktion "Ich schenk' dir meinen Stern" ins Leben gerufen, bei der Kinder aus der Region alljährlich ihren Altersgenossen, denen es nicht so gut geht, eine weihnachtliche Freude bereiten. Mit Abschluss der Weihnachtsaktion 2001 gingen nunmehr 38.000 Weihnachtspäckchen in den zurückliegenden Jahren als hoffnungsbringende Sterne auf die lange Reise zu bedürftigen Kindern. Mit Abschluss der Weihnachtspäckchenaktion 2001 wurde gleichsam der 60. und 61. Hilfstransport der Warendorfer Kinderhilfsorganisation erfolgreich abgeschlossen. Ca. 1.200 Tonnen praktische Nothilfe seit unserer Gründung im Jahr 1993.
Ende Dezember 2001 legt die "Aktion Kleiner Prinz" ihre erste Jahresbilanz 2001 vor: Im abgelaufenen Jahr 2001 sind insgesamt ca. 1,3 Millionen DM an Finanz- und Sachhilfen für Kinder in verschiedenen Krisengebieten eingesetzt worden. Davon Sachspenden im Wert von ca. 560.000 DM, Finanzhilfen für laufende Projekte in Höhe von 740.000 DM. Diese Hilfen wurden in Bosnien, Rumänien, Mosambik wie auch Afghanistan eingesetzt.
14. Februar 2002: Im Olymp der Geprüften! - DZI Spenden-Siegel zuerkannt!
Mit Wirkung vom 14. Februar 2002 wird der Warendorfer Kinderhilfsorganisation "Aktion Kleiner Prinz" das DZI Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen / DZI, Berlin, zuerkannt. Der jetzt nach umfassender und intensiver Prüfung vorgelegte 15-seitige Prüfungsbericht des DZI schließt mit dem Ergebnis: "Der Verein leistet satzungsmäßige Arbeit. Werbung und Information sind wahr, eindeutig und sachlich. Mittelbeschaffung und -verwendung sowie die Vermögenslage werden im Jahresabschluss hinreichend nachvollziehbar dokumentiert. Der Anteil der Werbe- und Verwaltungsausgaben an den Gesamtausgaben ist nach DZI-Maßstab niedrig. Eine Kontrolle des Vereins und seiner Gremien ist gegeben. Der "Aktion Kleiner Prinz - Internationale Hilfe für Kinder in Not - e.V.", Warendorf, kann das DZI Spenden-Siegel zuerkannt werden."
In der Verleihungsurkunde heißt es: Die Organisation "Aktion Kleiner Prinz - Internationale Hilfe für Kinder in Not - e.V.", 48321 Warendorf, hat die Leitlinien zur Selbstverpflichtung Spenden sammelnder Organisationen als Grundlage ihrer Arbeit anerkannt. Sie hat alle dazu erforderlichen Angaben nach eigenem Bekunden richtig und vollständig gemacht und belegt. Diese wurden nach intensiver Prüfung in das Wohlfahrtsarchiv des DZI aufgenommen. Die Organisation ist berechtigt, das abgebildete Spenden-Siegel zu führen." (http://www.dzi.de)
In Deutschland gibt es ca. 200.000 gemeinnützige Vereine, die spendenberechtigt sind. Davon verfolgen ca. 2.000 sogenannte karitative Zwecke. Ca. 150 davon haben sich einer erfolgreichen Qualitätskontrolle durch das DZI unterzogen und führen das DZI Spenden-Siegel. Die "Aktion Kleiner Prinz" ist stolz, nun dazuzugehören. Die "Aktion Kleiner Prinz" freut sich, nun auch offiziell und von neutraler Stelle "empfohlen" zu werden.

Neben den aufgeführten zahlreichen Hilfsaktivitäten im Vereinsjahr 2001/2002 wurden viele kleine, sogenannte stille Hilfen für notleidende Kinder realisiert. Zu nennen ist an dieser Stelle stellvertretend für viele kleine Hilfen unsere finanzielle Unterstützung für einen Hilfstransport für ein Kinderheim in Polen. Vielen Ratsuchenden, die uns um eine Hilfe für ein notleidendes Kind ersuchten, konnten wir zwar keine unmittelbare Hilfe gewähren, dennoch war es uns möglich, den einen oder anderen erfolgreichen Hilfskontakt zu vermitteln.
Das Vereinsjahr 2002/2003 soll insbesondere auch der Verbesserung der organisatorischen Strukturen, insbesondere der wirksamen Funktionen unseres AKP-Büros, gewidmet werden. Die Sicherung dieser notwendigen organisatorischen Strukturen dient der zukunftsweisenden Festigung unserer erfolgreich tätigen ehrenamtlichen Kinderhilfsorganisation. Im Jahr 2003 begeht die "Aktion Kleiner Prinz" ihr 10jähriges Bestehen, so dass wir schon jetzt damit beginnen müssen, erfolgreiche Weichen, auch im organisatorischen Bereich, für das neue Jahrzehnt einer ebenso wirksamen Nothilfe für Kinder in Krisengebieten zu stellen. Mit Hoffnung und gemeinsamem Engagement für notleidende Kinder in den Krisengebieten dieser Welt wollen wir gemeinsam an diese große Aufgabe gehen.

Warendorf, den 19. März 2002
Klaus Schäffer
Vorsitzender

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